Laufen in Corona-Zeiten: Edersee statt Boston-Marathon

| Text: Franziska Dietz | Fotos: Norbert Wilhelmi

Einmal rund um den Edersee laufen: So lautete der Plan von Franzi, Martin und Caro, den drei Edersee Runners. Wie viele andere Lauf-Communities, suchten sie nach der Fülle von Wettkampfabsagen aufgrund der Corona-Pandemie in diesem Jahr eine alternative Herausforderung - und kreierten ihr eigenes Lauf-Abenteuer. Sie wurden mit einer vielseitigen Strecke und vielen wundervollen Ausblicken belohnt.

Die drei Ederseerunners sind laufbegeisterte Instagramer, die ihre Leidenschaft zum Sport und zur Heimat in den sozialen Netzwerken teilen. Auf ihrem Kanal geht es um alles, was mit laufen zu tun hat. Die Drei lieben das Leben im Ausdauerzustand und halten ihre Community über das tägliche Training, Produkttests oder auch ihre Reisen auf dem Laufenden. Ihre Wurzeln haben die Läufer am Edersee, welcher sich im Herzen Deutschlands, genauer gesagt rund 40 Kilometer südlich von Kassel befindet. Der See ist ein vor rund 100 Jahren künstlich angelegter Stausee, der sich mit seiner Länge von 27 Kilometern perfekt für eine Umrundung eignet.

Ursprünglich hatten die Ederseerunners andere Pläne für dieses Jahr. Zusammen wollten sie nach Boston zum Marathon fliegen. Wenige Wochen später wollte Caro ihren ersten Ultra-Marathon am Rennsteig absolvieren. Doch die Corona-Pandemie machte ihnen einen Strich durch die Rechnung. Nachdem zahlreiche Wettkämpfe für dieses Jahr abgesagt wurden, wollte Martin nicht gänzlich ohne ein konkretes Ziel trainieren. Und da bot sich die Umrundung des Edersees mit einer Strecke von etwa 55 Kilometern perfekt an. Gemeinsam mit Caro und Franzi wurde der Plan in die Tat umgesetzt.

Beliebte Strecke in schöner Natur

Nach ausreichender Vorbereitung konnte es an einem warmen Sommertag endlich losgehen. Als Start und Ziel wurde die Edertalsperre gewählt, da sie mit ihrem tollen Panorama über den Edersee den idealen Ort für einen tollen Zieleinlauf bietet. Bereits zu früher Stunde herrschte ein buntes Treiben am Edersee. Auf der Strecke begegneten die Ederseerunners zahlreichen Läufern, Wanderern und Radfahrern.

Die größte Herausforderung für die Drei bestand zunächst darin, von der großen Motivation und der leicht abschüssigen Strecke getrieben, nicht zu schnell anzugehen. Die sieben Kilometer bis zum ersten Etappenziel vergingen dennoch wie im Flug und so liefen sie direkt entlang der Uferpromenade und konnten die Edertalsperre sowie den Edersee aus einem anderen Blickwinkel bewundern. Wenig später änderte sich die Strecke und führte nun leicht bergan durch den Wald.

Das Tolle an einem Lauf am und um den Edersee ist, dass die Wege besonders vielseitig sind. Jeder Läufer kommt garantiert auf seine Kosten. Ein Teil des Weges ist asphaltiert ein anderer besteht aus schönem weichen Waldboden. Bei einer Tour von rund 55 km ist dies eine Wohltat für die Gelenke und Sehnen. Sämtliche Wege lassen sich außerdem wunderbar mit dem Rad befahren. Neben abwechslungsreichen Wegen bietet die Strecke zudem viele wunderbare Ausblicke über den See.

Verpflegungsstopp zur Halbzeit in Herzhausen

Etwa bei der Hälfte der Strecke hatten Caro, Franzi und Martin einen Verpflegungsstopp in Herzhausen eingeplant. Die letzten beiden Kilometer bis zur lang ersehnten Verpflegungsstelle boten ihnen eine famose Sicht auf den Edersee. Entlang der Uferpromenade konnten sie den Stausee noch einmal in seiner vollen Schönheit bewundern. Euphorie machte sich breit. Nun war der erste Teil geschafft und die Drei stärkten sich in einem Café mit einem Weizenbier und einem Snack. Anschließend ging es zügig weiter, doch mit jedem Kilometer in der prallen Mittagssonne schwanden die Kräfte. Nach einem weiteren kurzen Verpflegungsstopp nutzen die Ederseerunners die Gelegenheit, rasch ihre Füße ins kühle Seewasser zu halten. Das Bad war eine wahre Wohltat für die Muskeln und Sehnen. Einfach herrlich.

Langer Endspurt und Erleichterung im Ziel

Dennoch fiel allen das Laufen zunehmend schwerer. Alles tat weh, die Beine waren müde und die mentale Herausforderung wurde immer größer. Zwar liefen die Freunde noch alle zusammen, doch lief jeder für sich alleine. Alleine mit den schmerzenden Beinen und den Gedanken bald und endlich das Ziel erreicht zu haben. „Im Kopf hatte sich jeder von uns die Strecke in verschiedene Abschnitte eingeteilt, das ist besser als die gesamte Strecke vor Augen zu haben", verriet Franzi ihre persönliche Herangehenweise.

Als endlich die Staumauer in den Blick gerät, kennt die Erleichterung keine Grenzen. Auch wenn sich die Drei immer über den Anblick der majestätischen Mauer freuen, so ist er an diesem Tag doch ein ganz besonderer. "Ich spüre, wie mein Herz zu klopfen beginnt. in 200 Metern Entfernung sehe ich unser Zielbanner von Martins Frau und seiner Mutter gehalten. Unsere Schritte beschleunigen sich...", erinnert sich Franzi an die letzten Meter.

Dann ist es geschafft. Stolz werden im Ziel die Uhren gestoppt, die drei klatschen sich ab und beglückwünschen sich. Und endlich ist es Zeit, die Füße hochzulegen und ein kühles Bier zu genießen.

Mehr von den Edersee Runners findest du hier auf dem Instagram-Kanal von Franzi!

Zurück