Es gibt genau eine Sportart, bei der man sich nicht vorwärtsbewegt: Rudern. Und auch da gibt es – zumindest in einigen Varianten – mit dem „Schlagmann“ (der auch eine Frau sein kann) oft jemanden an Bord, der oder die in jene Richtung schaut, in die man sich bewegt. Aus naheliegenden Gründen – obwohl auf dem Wasser meist weniger Hindernisse lauern, als auf festem Boden.
Darum mutet es ein wenig absurd an, Läuferinnen oder Läufern zu empfehlen, hin und wieder den „Retourgang“ einzulegen und rückwärts zu gehen. Oder zu laufen: Ganz abgesehen von der ungewohnten Bewegungsabfolge ist es ja tatsächlich nicht schlau, nicht zu wissen, wo genau man hingeht: Bodenunebenheiten, Randsteine, Wurzeln – wenn es ganz blöd kommt ein Passant oder eine Radfahrerin. Oder ein Baum, ein (hoffentlich stehendes) Auto. Oder ein Gebäude: Wozu haben wir die Augen vorne, wenn wir uns verrenken müssen, um zu sehen, wohin es geht? Wozu soll Rückwärtsgehen also gut sein?
Tatsächlich ist es aber keine schlechte Idee, den Rückwärtsgang ins Lauf- oder zumindest Spazierprogramm einzubauen. Ein wenig zumindest. Weil dieses auch „Retro-Gehen“ genannte Laufen oder Gehen Sinne, Aufmerksamkeit und Achtsamkeit schärft. Wieso Letzteres? Weil alles Ungewohnte die einstudierte Logik und Routine von Bewegungsabläufen durchbricht. Das zwingt zu genauerem Sehen und Denken. Das macht achtsamer und bewusster.
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