Von Dubai nach Oman: Sieben Mädels in der Wüste

| Text: Natascha Marakovits | Fotos: Peter Hochhauser

Coast to Coast – von Dubai nach Oman lautete das Abenteuer, dem sich Extrem-Hindernisläuferin Carina Bungard mit sechs Kolleginnen von den Asics Frontrunnern gestellt hat. Vom 18. bis 21. Dezember liefen sie von Dubai quer durch die Vereinigten Arabischen Emirate mit nur einem Ziel vor Augen: Gemeinsam die eigenen Grenzen überwinden.

177 Kilometer, davon drei Ultras in vier Tagen. „Werde ich es schaffen?“ Die Zweifel von Carina Bungard waren groß, ob sie denn auch die Richtige sei, um das Abenteuer Coast to Coast – von Dubai nach Oman zu bestehen. Gemeinsam mit sechs anderen Asics FrontRunner Kolleginnen aus aller Welt machte sich die 30-Jährige im Dezember auf den Weg zum bisher spektakulärsten Lauf ihres Lebens. Ausgehend vom Persischen Golf führte die Route quer durch die Vereinigten Arabischen Emirate, die beinahe vollständig von Sandwüste bedeckt sind, über das Hadschar Gebirge bis zur Küste von Oman.

18. Dezember. Verlaufen. Und das am ersten Tag. Der Beginn in Dubai, im Norden der Vereinigten Arabischen Emirate, gestaltete sich schwieriger als gedacht. „Wir starteten am Nachmittag und rannten in die Dunkelheit. Eigentlich sollten es 42 Kilometer sein, aber wir fanden das Lager nicht, befanden uns mitten im Nirgendwo“, erzählt Carina Bungard. Also weitere vier Kilometer durch tiefen Sand, bis nach 46 Kilometern das erste Etappenziel erreicht war. „Danach war ich einfach nur glücklich meinen ersten Ultra gemacht zu haben. In der Vorbereitung bin ich einen Trailmarathon gelaufen, aber das war’s dann auch schon. Daher wusste ich nicht, wie mein Körper reagieren würde.“

Wenig Schlaf und keine Dusche

Nach nur fünf Stunden Schlaf ging es am nächsten Morgen um 5:30 Uhr weiter. 32 Kilometer waren geplant und die Mädels freuten sich auf einen kurzen Tag. Doch Fehlanzeige. „Wir mussten viel im Sand laufen und der eigentlich kurze Tag wurde mit 6:20 Stunden zu einem langen. Da merkte ich, dass sich das Krafttraining und die Extrem-Hindernisläufe, die bis zu drei Stunden dauern, wirklich lohnen“, sagt Bungard.

Am dritten Tag hieß es für die Mädels Höhenmeter machen. Und das auf 46 Kilometern. „Die ersten Kilometer in den Bergen machten richtig Spaß, aber irgendwann hatten wir keine Ahnung mehr, in welche Richtung wir laufen müssen. Dazu kam, dass wir seit Stunden unterwegs waren und kein Wasser mehr hatten.“ Doch aufgeben kam nicht infrage, da waren sie sich einig. Rund neun Stunden waren sie unterwegs bis das Etappenziel – ein einfaches Camp ohne Dusche und jeglichen Komfort – erreicht war.

Nach jedem Tief kommt ein Hoch

21. Dezember. Nach einer kurzen Nacht war er schließlich da: Der vierte und letzte Tag brach an. Körperlich und mental hieß es ein letztes Mal alle Zähne zusammenzubeißen, um die restlichen 50 Kilometer in Angriff zu nehmen. Die erste Hälfte der Strecke lief gut, doch nach einer mehr als einstündigen Wartezeit an der Grenze nach Oman war die Motivation etwas im Keller. „Nachdem wir so lange herumgesessen sind, fühlte sich das Weiterlaufen schrecklich an. Aber nach ein paar Kilometern lief es wieder ganz gut und je näher wir zum Meer gekommen sind, umso aufgeregter wurden wir“, erzählt Bungard.

Gleich ist es geschafft. Die letzten 400 Meter. Die Sonne brennt Carina Bungard und den anderen sechs Läuferinnen unbarmherzig ins Gesicht. Und dann ist sie endlich da: Die Küste von Oman. Das Ziel ihres großen Abenteuers. Nach vier Tagen und 177 Kilometern in den Beinen gibt es für die Mädels in dem Moment nichts Schöneres, als die müden Füße im Meer abzukühlen, die Meeresbrise auf der Haut zu spüren und sich schließlich vor Glück in den Armen zu liegen. Das Coast to Coast Abenteuer hat alle verändert: Die Asics FrontRunner Ladies waren als Läuferinnen aus aller Welt gestartet, die sich bis dato nicht kannten und als Freundinnen im Ziel angekommen. Trotz all der Schwierigkeiten, Carina Bungard ist sich sicher: „Ich würde es definitiv nochmal machen. Es war einfach toll!“

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