Alina Reh verpasst deutschen Rekord ganz knapp

| Text: Jörg Wenig | Fotos: Cecilia Wenig

Bei einem Fünf-Kilometer-Straßenrennen in Berlin hat Alina Reh am Sonntag den deutschen Rekord knapp verpasst. Der 23-Jährigen fehlten sechs Sekunden zu der Zeit von 15:16 Minuten, die Irina Mikitenko vor 20 Jahren aufgestellt hatte. Bei den Männern erzielte der Österreich Peter Herzog einen neuen Landesrekord.

Alina Reh gewann die „Berlin 5k Invitational“ in Schmöckwitz im Südosten Berlins auf einer flachen Strecke bei sehr guten Wetterbedingungen in 15:22 Minuten. Immerhin ist dies eine europäische Jahresbestzeit und die zweitschnellste Zeit des Jahres in der Welt. Nur um zwei Sekunden verpasste Alina Reh die Jahresweltbestzeit, die die Äthiopierin Tsigie Gebreselama mit 15:20 im März in Addis Abeba aufgestellt hat.

„Ich hatte eigentlich eine Zeit unter 15 Minuten angepeilt und dachte, es flutscht“, sagte Alina Reh, die den ersten Kilometer in einem gemischten Rennen mit Männern in 2:53 Minuten absolvierte. An der 3-km-Marke war sie mit einer Zeit von 8:55 Minuten immer noch gut im Rennen im Hinblick auf eine Zeit von unter 15 Minuten. Doch dann ging ihr die Kraft aus, und für den letzten Kilometerabschnitt benötigte sie 3:17 Minuten. „Ich habe was riskiert, aber es ging nicht ganz auf“, sagte Alina Reh, die nach wie vor hohe Trainingsumfänge von durchschnittlich gut 160 Kilometern pro Woche absolviert und zurzeit in Kienbaum östlich von Berlin trainiert.

In zwei Wochen steht das nächste Rennen auf dem Programm: „In Regensburg will ich dann über 5.000 Meter endlich unter 15 Minuten laufen“, sagte Alina Reh, die zukünftig zur Bundeswehr-Sportfördergruppe gehört und im September die entsprechende Grundausbildung absolvieren wird. Dadurch kommt ein ansonsten vielleicht möglicher Start bei den Halbmarathon-Weltmeisterschaften im polnischen Gdynia am 17. Oktober ohnehin nicht in Betracht. „Für mich ist die Saison dann im September beendet.“

Eine sehr gute Leistung zeigte auch Caterina Granz (LG Nord Berlin), die in 15:32 die zweitschnellste Zeit erreichte. In einem weiteren von insgesamt vier Läufen über die 5-km-Distanz, bei denen jeweils die Coronavirus-Vorschriften mit Mindestabständen eingehalten wurden, gewann Christina Gerdes (SCC Events Pro-Team Berlin) mit 16:31. Dies war die drittschnellste Frauen-Zeit des Tages.

Bestzeitenjagd auf einer Straße im Wald

Bei den Männern gab es eine Überraschung: Der Österreicher Peter Herzog triumphierte in flotten 13:54 Minuten und stellte damit einen nationalen Rekord auf. „Ich freue mich sehr über diese Zeit. Es ist sehr wichtig, dass es wieder solche Wettkämpfe gibt“, sagte Peter Herzog, der hofft, im Herbst noch einen Marathon laufen zu können.

Zweiter wurde in Berlin Haftom Weldaj (Eritrea) in 14:12, Rang drei belegte René Menzel (Hannover Athletics) mit einer deutschen Jahresbestzeit von 14:16. Mit Rang vier in 14:17 musste sich Amanal Petros (TV Wattenscheid) zufrieden geben, der eigentlich die deutsche Bestzeit von Jens-Peter Herold brechen wollte. Herold, der am Sonntag das Startsignal für das Rennen gab, war 1990 eine Zeit von 14:09 Minuten gelaufen.

„Ich wollte eigentlich den deutschen Rekord von 14:09 Minuten brechen, aber die letzten beiden Kilometer wurden sehr hart“, sagte Amanal Petros, der nach einem aufgrund der Coronavirus-Pandemie abgebrochenen Trainingslager in Kenia im Februar in ein Motivations-Loch fiel. „Ich war so gut in Form wie noch nie und habe in Kenia auch zwei Wochen mit Mo Farah trainiert“, erzählte Amanal Petros, der dann mehrere Monate lang kaum trainierte.

„Erst vor 40 Tagen habe ich wieder angefangen. Ohne Wettkämpfe ist es sehr schwierig, sich zu motivieren. Ich brauche ein Ziel und auch einen gewissen Druck, um die normalen Tagesabläufe einzuhalten. Deswegen ist es sehr wichtig, dass Wettkämpfe so wie dieser heute stattfinden.“ Im August will er bei den Deutschen Meisterschaften über 5.000 m starten, und auch ein Marathon im Spät-Herbst ist vielleicht noch möglich.

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