Grandioses Rennen zum Titel: Konstanze Klosterhalfen rennt deutschen Rekord

| Text: Jörg Wenig | Fotos: DLV (Dirk Gantenberg), Imago (2)

Konstanze Klosterhalfen hat mit einem neuen deutschen Rekord den ersten Tag der Deutschen Leichtathletik-Hallenmeisterschaften in Leipzig gekrönt. Die Läuferin vom TSV Bayer 04 Leverkusen steigerte am Samstagabend ihre eigene Rekordmarke über 3.000 m auf 8:32,47 Minuten. Gleichzeitig bedeutete die Zeit eine neue Weltjahresbestleistung. Die 3.500 Zuschauer in der ausverkauften Arena Leipzig trieben die EM-Vierte über 5.000 m mit Jubelstürmen nach vorn und mit einem pfeilschnellen letzten Kilometer zum Rekord. Fast zeitgleich lief der Äthiopier Samuel Tefera im britischen Birmingham Weltrekord über 1500 Meter. In 3:31,04 Minuten unterbot er die 22 Jahre alte Bestmarke, die der Marokkaner Hicham El Guerrouj 1996 in Stuttgart aufgestellt hatte.

Fünf Rennen, fünf Siege und ein weiterer deutscher Rekord: Für Konstanze Klosterhalfen läuft die Wintersaison bisher perfekt. Bei den Deutschen Leichtathletik-Hallenmeisterschaften in Leipzig gewann die 21-jährige Läuferin, die zurzeit in den USA trainiert, das 3000-Meter-Rennen souverän. In 8:32,47 Minuten verbesserte sie ihren eigenen deutschen Rekord um rund dreieinhalb Sekunden. Vor fast auf den Tag genau einem Jahr war Konstanze Klosterhalfen in Dortmund über die 3000-Meter-Strecke mit 8:36,01 Minuten nationalen Rekord gelaufen.

Der Dank geht auch an Alina Reh, die für ein hohes Tempo sorgte

2018 war sie im Alleingang bei den Deutschen Hallenmeisterschaften zur Bestzeit gerannt, dieses Mal profitierte sie davon, dass Alina Reh (SSV Ulm) lange Zeit mit hohem Tempo vor ihr lief und so quasi als Tempomacherin fungierte. Rund 600 Meter vor dem Ziel ging Konstanze Klosterhalfen dann an ihrer Konkurrentin vorbei, die mit 8:43,72 Minuten als Zweite ebenfalls eine hochklassige Zeit erreichte. „Ich sollte eigentlich gar nicht so schnell laufen. Aber Alina Reh war die perfekte Tempomacherin. Vielen Dank dafür“, jubelte Konstanze Klosterhalfen im Ziel.

In der Liste der schnellsten deutschen Läuferinnen aller Zeiten über 3.000 m in der Halle hat sich Alina Reh jetzt auf Rang drei nach vorne geschoben. Schneller war neben Klosterhalfen lediglich Kathrin Ullrich (Weßel), die 1988 eine Zeit von 8:41,79 erreicht hatte. Groß war in Leipzig natürlich dann die Lücke zu Platz drei: Deborah Schöneborn (LG Nord Berlin) lief in 9:21,77 auf den Bronze-Rang.

„Alina Reh und ich haben uns wegen einer Taktik für den Lauf nicht abgesprochen. Wir haben uns kurz gegrüßt vor dem Start, weil wir uns gefreut haben, uns wiederzusehen“, sagte Konstanze Klosterhalfen, die erst in der vergangenen Woche in New York einen deutschen Meilenrekord gelaufen war (4:19,98) und dabei zudem mit 4:02,70 auch die 1.500-m-Rekordzeit unterboten hatte (Anerkennung dieser offiziellen Zwischenzeit steht noch aus). „In den USA ist es sehr cool. Ich habe super Bedingungen dort, werde top unterstützt und trainiere mit Weltklasseathleten unter super Trainern“, sagte Konstanze Klosterhalfen.

Neue Namen an der deutschen Männerspitze über 3000 Meter

Im Finale der Männer über 3.000 m etablierten sich neue Namen in der deutschen Spitze: Der aus den USA stammende Sam Parsons, der seit September 2018 die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt und für Eintracht Frankfurt startet, gewann das Rennen in 7:53,71 Minuten vor dem ebenfalls aus den USA kommenden Amos Bartelsmeyer (Eintracht Frankfurt/7:54,39). Dritter wurde Florian Orth (LG Telis Finanz Regensburg/8:00,08) vor Sebastian Hendel (LG Vogtland/8:00,99). Man darf gespannt sein, wie das deutsche Team für die Hallen-Europameisterschaften Anfang März in Glasgow aussehen wird.

Samuel Tefera überrascht Yomif Kejelcha in Birmingham

Eigentlich wollte Yomif Kejelcha in Birmingham das nachholen, was er in der vergangenen Woche in New York um die Winzigkeit von einer Hundertstelsekunde verpasst hatte: Der Äthiopier, der bei den Millrose Games derart knapp am Meilen-Weltrekord vorbei geschrammt war, hatte sich für das Rennen in England die globale 1.500-m-Marke vorgenommen. Vor 22 Jahren war Hicham El Guerrouj (Marokko) in Stuttgart 3:31,18 Minuten gelaufen.

Kejelcha war in Birmingham auf Weltrekordkurs, doch dann stahl ihm sein Landsmann Samuel Tefera sensationell die Show. Eingangs der letzten Runde lief der Hallen-Weltmeister über diese Distanz am großen Favoriten vorbei und stürmte seinerseits zum Weltrekord: Nach 3:31,04 war Tefera im Ziel, Kejelcha folgte mit 3:31,58 und damit der drittbesten je gelaufenen Zeit. Dritter wurde der Australier Stewart McSweyn in der Landesrekordzeit von 3:35,10.

Auch bei den Frauen fiel in Birmingham ein Rekord in den Lauf-Wettbewerben: Die Schottin Laura Muir zeigte vor ihrer Heim-EM in Glasgow starke Form über die Meilendistanz. Sie gewann das Rennen mit großem Vorsprung in der britischen Rekordzeit von 4:18,75 Minuten und löste damit Konstanze Klosterhalfen an der Spitze der Jahresweltbestenliste ab. Man darf gespannt sein, inwieweit Klosterhalfen bei der EM in Glasgow Muir herausfordern kann. Die Schottin will ihre beiden EM-Titel (1.500 und 3.000 m) verteidigen.

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