Die Wahl zu den Läuferinnen und Läufern des Jahres geht in die nächste Runde: Wir suchen wieder die Besten der Besten zusammen mit dem Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) und German Road Races, der Vereinigung der großen Laufveranstaltungen im deutschsprachigen Raum.
Nachdem die Laufsaison mit dem Frankfurt- und dem New York-Marathon weitgehend abgeschlossen ist, hat die Redaktion von laufen.de gemeinsam mit dem GRR-Vorstand und den DLV-Verantwortlichen fürs Laufen in vier Kategorien insgesamt 32 Athletinnen und Athleten nominiert, die wir für preiswürdig halten.
Die Bandbreite der Nominierten ist dabei groß: Sie laufen zwischen 800 Metern und 42,195 Kilometern. Oder waren sogar auf noch längeren Trails im Gebirge erfolgreich. Sie sind WM-Medaillengewinner, Deutsche Meister, Deutschlands Schnellste. Oder haben eine besondere Leistung erbracht, die sich nicht allein in einer Platzierung oder in Stunden, Minuten, Sekunden beschreiben lässt. Alle haben auf ihre Art und Weise in diesem Jahr beeindruckt. Wichtig dabei: Für die Bewertung zählt nicht allein das Kalenderjahr 2023, sondern der Zeitraum seit der letzten Vergabe der Preise Anfang Dezember 2022.
Und jetzt bist du zusammen mit der laufen.de-Community dran: Ihr stimmt ab, wer die Preise 2023 erhalten wird. Begleitet wird die Wahl von einem Votum unter den fast 100 Laufveranstaltern, deren Events unter dem Dach von German Road Races stattfinden. Nach Auswertung der beiden Abstimmungen steht dann fest, wer die Läuferinnen und Läufer des Jahres sind. Die Sieger und Siegerinnen werden am 1. Dezember bei unserer großen Laufgala in Bergisch-Gladbach bei Köln verkündet und ausgezeichnet.
Und das kannst du gewinnen!
Du hast Lust mitzumachen und willst die Chance wahren, mit deiner Stimmabgabe einen von unseren Top-Preisen zu gewinnen? Dann log dich weiter unten ein, wähle deine Favoritinnen und Favoriten und hol dir mit Glück einen von diesen Preisen, die wir unter allen verlosen, die an unser Wahl der Läuferinnen und Läufer des Jahres oder an der Abstimmung über den oder die #gemeinsammehrbewegen-Preisträger*in teilnehmen.
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In diesem oder einem ähnlichen Outfit waren viele der Nominierten 2023 für Deutschland erfolgreich. Wir verlosen unter allen Teilnehmenden exklusive Kleidung der Leichtathletik-Nationalmannschaft. Wer gewinnt, ist mit Longsleeve, Warm-Up Tee und einer Half Tight genau richtig ausgestattet für seine kommenden Läufe. Dazu gibt's noch ein Paar Laufschuhe von Nike: Mit dem Infinity RN 4 Medium im Wert von fast 170 Euro bringst du deine Läufe auf ein ein neues Level. - 1 speziell fürs Laufen entwickelter Kopfhörer von Shokz im Wert von fast 190 Euro
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Aktion beendet
Die Wahl ist abgeschlossen. Wer die Läuferinnen und Läufer des Jahres sind, liest du hier. Die Preise bei unserem Gewinnspiel gehen an folgende laufen.de-Mitglieder:
- 1 Polar Vantage V3 Trainingscomputer im Wert von fast 600 Euro: Max Pörtner
- 1 Original-Outfit der deutschen Leichtathletik-Nationalmannschaft inklusive Laufschuhe von Nike im Wert von fast 500 Euro: Norbert Höffner
- 1 speziell fürs Laufen entwickelter Kopfhörer von Shokz im Wert von fast 190 Euro: Laura Mazzoli
Die Nominierten
Läuferin des Jahres
Bestzeiten en masse
Miriam Dattke
Miriam Dattke lief in diesem Jahr neue Bestzeiten über 3000, 5000 und 10.000 Meter und ist über zehn Kilometer auf der Bahn Nummer drei in der ewigen deutschen Bestenliste. Beim Frankfurt-Marathon lief sie bei schweren Bedingungen 2:28:12 Stunden.
Miriam Dattke war 2023 in Bestzeiten-Laune. Über 3000, 5000 und 10.000 Meter stellte die Regensburgerin neue persönliche Bestmarken auf. Den 9:02,17 Minuten über 3000 Meter ließ sie 15:22,03 Minuten über 5000 Meter folgen. Und über 10.000 Meter blieb die Uhr sogar nach 31:10,21 Minuten stehen. Damit schob sich die 25-Jährige bis auf Rang drei der ewigen deutschen Bestenliste nach vor, schneller waren nur Konstanze Klosterhalfen (31:01,71 min) und Kathrin Ullrich (31:03,62 min). Hinzu kamen ein deutscher Meistertitel im Halbmarathon sowie Silber bei der Straßenlauf-DM über 10 Kilometer. Etwas Pech hatte sie nur, was den Marathon betrifft. Ihren geplanten Start in Berlin musste sie krankheitsbedingt absagen. Ende Oktober war sie beim Frankfurt-Marathon lange Zeit auf Kurs für eine Zeit unter 2:25 Stunden, musste aber letztlich den schwierigen Bedingungen Tribut zollen und lief als Elfte 2:28:12 Stunden.
Teamsilber am Berg
Laura Hottenrott
Ihren größten Erfolg feierte Laura Hottenrott bei der Trail-WM in Innsbruck, als sie im „Vertical“ gennannten Bergrennen über gut sieben Kilometer mit über 1000 Höhenmetern Vierte wurde und mit der Mannschaft Teamsilber gewann.
Das „Vertical Uphill Race“ von Neustift zur Elferhütte vor der Kulisse der Stubaier Felsgipfel hat den Weltbesten bei den Trailrunning-Weltmeisterschaften 2023 alles abverlangt. Die Streckendaten sprechen für sich: Gesamtlänge 7,1 km, 1.020 Höhenmeter. Die letzten 800 Meter, auf denen es eine Skipiste fast senkrecht nach oben ging, waren dann Spannung pur. Mittendrin: Laura Hottenrott vom PSV Grün-Weiß Kassel.
Und am Ende sicherte sich die 31-Jährige einen ganz starken vierten Platz hinter Andrea Mayr, die dem Ausrichterland Österreich gleich zu Beginn der Trail-WM Gold sicherte. Laura Hottenrott war 1:42 Minuten hinter der Siegerin im Ziel auf 2080 Metern war.
Edelmetall gab es dann aber auch noch für sie: In der Teamwertung sichert sich die deutsche Mannschaft Silber. Hinter Laura Hottenrott lief Marathon-Team-Europameisterin Domenika Mayer (LG Telis Finanz Regensburg) auf Rang sieben, Hanna Gröber (Post SV Thüringen) wurde 22. Das reichte für Silber hinter Kenia, aber vor Großbritannien. Fürs Team wurden die besten drei Läuferinnen gewertet, eine Medaille erhielten aber alle vier, die auf der schweren Strecke gefinisht haben. Das Quartett vervollständigte als 39. im hundertköpfigen Feld Laura Hampel vom TSV Rosenheim.
Beim Gornergrat Zermatt Marathon fügte Laura Hottenrott dann 2023 einen weiteren Sieg ihrer Erfolgsbilanz zu, bevor sie dann beim Berlin-Marathon auf die Straße zurückkehrte. Mit dem Ziel sich für Olympia 2024 in Paris zu qualifizieren. Dort blieb sie aber mit 2:29:38 deutlich über jenen 2:26:50 Stunden, die für eine Olympianominierung verlangt werden.
Medaille in der Halle
Konstanze Klosterhalfen
Mit 8:34,89 Minuten lief die Leverkusenerin Konstanze Klosterhalfen über 3000 Meter in der Halle eine Zeit, die nur sie selbst als einzige Deutsche je unterboten hat. In Istanbul sicherte sie sich zum dritten Mal Silber bei einer Hallen-EM.
Mit einem Sieg stieg Konstanze Klosterhalfen in das Jahr 2023 ein, und das, nachdem sie zu Beginn des Jahres noch mit Fußproblemen zu kämpfen gehabt hatte. Aber bei den Deutschen Hallenmeisterschaften in Dortmund ließ sie alle Konkurrentinnen hinter sich und gewann die 3000 Meter in 8:34,89 Minuten. In Deutschland ist keine andere Läuferin je schneller gewesen, sie selbst war bei ihrem deutschen Hallen-Rekord von 8:32,47 Minuten und in einem weiteren Hallenrennen bereits schneller. Als schnellste Europäerin des Winters reiste die 26-Jährige zur Hallen-EM und sorgte dort für ein flottes Tempo. Eine Konkurrentin nach der anderen konnte nicht mehr folgen, bis schließlich nur noch die Tübingerin Hanna Klein an ihren Fersen hing. Während diese auf der letzten Runde an ihr vorbeizog, lief Konstanze Klosterhalfen in 8:36,50 Minuten zu Silber. Es war das dritte Silber bei einer Hallen-EM nach 2019 (3000 m) und 2017 (1500 m) für die Leverkusenerin. Wegen wiederkehrender Probleme im Fuß musste sie ihre Sommersaison vorzeitig beenden.
Quantensprung im Marathon
Domenika Mayer
Eine Steigerung im Marathon auf 2:23:47 Stunden, damit schnellste Deutsche des Jahres und beste Deutsche beim Berlin-Marathon. Dazu ist Domenika Mayer nun die zweitschnellste deutsche Marathonläuferin aller Zeiten!
Bereits 2022 hatte Domenika Mayer geglänzt: Mit einem Marathondebüt in 2:26:50 Stunden, womit sie direkt Deutsche Meisterin wurde, und Gold bei der Team-Wertung im EM-Marathon. Und 2023? Machte die 33-Jährige genauso weiter. Schon im Frühling lief sie als Zweite des Linz-Marathons in 2:28:47 Stunden ein gutes Rennen, obwohl sie da mit einem Hexenschuss und den Auswirkungen einer Corona-Infektion zu kämpfen hatte. Gut, aber nicht zu vergleichen mit ihrem Rennen beim Berlin-Marathon im September. Dort steigerte die Mutter zweier Töchter ihre Bestleistung nicht nur um 3:03 Minuten auf 2:23:47 Stunden. Sie war damit auch die beste Deutsche des Tages, lief das schnellste Marathonrennen einer Deutschen in diesem Jahr und schob sich in der ewigen deutschen Bestenliste auf Rang zwei nach vorne. Nur die deutsche Rekordhalterin Irina Mikitenko (2:19:19 h) war je schneller. Dazu bewies die Läuferin der LG Telis Finanz Regensburg, dass sie nicht nur auf der Straße schnell laufen kann. Bei der Berglauf- und Trailrunning-WM in Innsbruck-Stubai gewann sie im Vertical-Rennen über 7,1 Kilometer und 1020 Höhenmeter mit der Mannschaft Silber. Im Mountain Classic-Rennen über 15 Kilometer und 748 Höhenmeter lief sie auf Platz fünf. Aber auch auf den zehn Kilometern auf Straße und Bahn glänzte Domenika Mayer 2023: Im Mai wurde sie in Mittweida in der neuen persönlichen Bestzeit von 32:14,34 Minuten Deutsche Meisterin über 10.000 Meter auf der Bahn und ließ dabei unter anderen eine so renommierte Bahnläuferin wie Alina Reh hinter sich. Im September triumphierte sie in Bad Liebenzell auch über zehn Kilometer auf der Straße, nachdem sie sich auf dieser Distanz zuvor schon bei der Berliner City-Night auf 32:03 Minuten gesteigert hatte. Bei ihrem Lauf zum nationalen Titel ließ sie mit Miriam Dattke, Deborah Schöneborn, Kristina Hendel und Fabienne Königstein gleich vier der aktuell besten deutschen Straßenläuferinnen hinter sich.
Starker WM-Marathon
Melat Kejeta
Nach der Geburt ihrer Tochter im vergangenen Jahr, hat sich Melat Kejeta mit 2:27:51 Stunden in Ottawa sowie einem elften Platz bei der WM in der deutschen Marathonspitze zurückgemeldet. Und lief im Oktober in 1:06:25 Stunden einen starken Halbmarathon.
Dass Melat Kejeta zu den besten deutschen Marathonläuferinnen gehört, war schon vor diesem Jahr klar. 2019 war sie bei ihrem Marathon-Debüt in Berlin gleich hervorragende 2:23:57 Stunden gelaufen. Damit war sie die zweitbeste deutsche Marathonläuferin aller Zeiten, bis sie dieses Jahr von Domenika Mayer auf den dritten Platz verdrängt wurde. 2022 legte die Kasselerin eine Laufpause ein und wurde Mutter. Dass sie dieses Jahr schon wieder in richtig guter Form ist, bewies die 31-Jährige gleich bei zwei Rennen. Im Mai lief sie in Ottawa in 2:27:51 Stunden auf den dritten Rang und schafft damit auf den letzten Drücker die Qualifikationsnorm für die Weltmeisterschaften in Budapest. In der ungarischen Hauptstadt lief sie in einem Hitzerennen in 2:29:04 Stunden auf den elften Platz. Weiter aufsteigende Form bewies sie im Oktober in Valencia, wo sie den Halbmarathon in 1:06:25 Stunden finishte. Nur bei ihrem deutschen Rekord von 1:05:18 Stunden war sie jemals schneller. Neben ihr hat in Deutschland nur die Leverkusenerin Konstanze Klosterhalfen schon einmal eine schnellere Zeit erzielt (1:05:41 h).
Superschnell als junge Mutter
Fabienne Königstein
Nur neun Monate nach der Geburt ihrer Tochter Skadi lief Fabienne Königstein bereits wieder ihren ersten Marathon. Sie steigerte sich dabei um 6:47 Minuten auf 2:25:48 Stunden und hat damit gute Aussichten auf Olympia 2024.
Eigentlich wollte Fabienne Königstein im April in Hamburg nur den Halbmarathon laufen. Sich neun Monate nach der Geburt ihrer Tochter Skadi langsam wieder rantasten an den vollen Marathon. Doch dann entschied die Läuferin der MTG Mannheim wenige Tage vor dem Start spontan: "Es lief so gut im Training, ich laufe den ganzen Marathon." Und dabei ging es der 30-Jährigen dann nicht nur darum anzukommen: Sie peilte gleich die Olympia-Norm von 2:26:50 Stunden an. Und sie wurde für ihren Mut belohnt. Nach Jahren, in denen sie immer gut trainiert hatte und dann von Verletzungen zurückgeworfen worden war, konnte sie nun endlich zeigen, was wirklich in ihr steckt. Sie steigerte ihre Bestzeit um 6:47 Minuten auf 2:25:48 Stunden und rangiert damit jetzt auf Platz sieben der ewigen deutschen Bestenliste. Und sie hat zudem gute Aussichten auf einen der drei Startplätze für deutsche Läuferinnen bei den Olympischen Spielen nächstes Jahr in Paris. Momentan ist sie hinter Domenika Mayer die zweitschnellste deutsche Marathonläuferin im Qualifikationszeitraum.
Ultratrail-Überfliegerin
Katharina Hartmuth
Zweite im mit fast 87 Kilometer schon sehr langen Trail bei den Weltmeisterschaften in Innsbruck. Und Zweite über die 170 Kilometer beim legendären UTMB in Chamonix. Katharina Hartmuth hat 2023 den Sprung zur besten deutschen Trailrunnerin geschafft.
Die beste Athletin auf den Ultratrails dieser Welt ist aktuell die US-Amerikanerin Courtney Dauwalter. Die 38 Jahre alte Lehrerin aus dem US-Staat Minnesota gewann dieses Jahr die legendären 100 Meilen langen Rennen Western States und Hardrock 100 in den USA. 2021 finishte sie den 170 Kilometer langen UTMB um den Mont Blanc in 22:30:54 Stunden. Streckenrekord bei den Frauen und in jenem Jahr waren nur sechs Männer schneller als die US-Läuferin. 2023 gewann sie in Chamonix erneut. Ihr Schatten ist groß, aber mit Katharina Hartmuth kam weniger als 45 Minuten hinter ihr eine Deutsche ins Ziel, die auf den 170 Kilometern mit 10.000 Höhenmetern als Zweite eine sensationelle Leistung ablieferte. Sie hatte am Ende des Rennens die Leichtigkeit, mit der sonst auch Dauwalter unterwegs ist. Im letzten Renndrittel konnte Hartmuth den Abstand auf die führende Amerikanerin sogar deutlich verkürzen. Zwischenzeitlich lag sie schon einmal rund eineinhalb Stunden zurück. Im Ziel waren es weniger als 45 Minuten. In großartigen 24:10:52 Stunden absolvierte Hartmuth das wichtigste Trail-Rennen der Welt. Und war im Ziel überwältigt. Von der Stimmung und von ihrer eigenen Leistung.
„Ich hatte insgeheim mit einer Top-10 Platzierung geliebäugelt – wenn alles gut läuft. Aber Rang zwei ist einfach nur unglaublich“, so Hartmuth. Die 28-Jährige lief von Beginn an sehr kontrolliert ihr eigenes Rennen. Zunächst auf Rang 15 unterwegs, arbeitete sie sich im Laufe der Nacht immer weiter nach vorne. „Ich schaue auf mich, ich muss meinen Rhythmus finden – und was dann hinten rauskommt, werde ich sehen“, sagte Hartmuth vor dem Rennen ganz bescheiden.
So war sie auch im Juni bei den Trail-Weltmeisterschaften in Innsbruck aufgetreten, wo sie überraschend die Silbermedaille gewann und sich mit ihrem Lächeln während des Rennens in die Herzen der Zuschauer lief. Aber das waren „nur“ 86 Kilometer. Beim UTMB ist die Strecke doppelt so lang. Immerhin kam Katharina Hartmuth, die in Leipzig geboren wurde und seit einigen Jahren in der Schweiz lebt, wo sie in diesem Jahr ihre Dissertation in Klimawissenschaften abgegeben hat, mit der Empfehlung des Sieges beim Eiger Ultratrail über 101 Kilometer nach Chamonix. Die Form war also da. Und am Wochenende lief es einfach.
Hindernis-Aufsteigerin
Olivia Gürth
Als einzige deutsche Läuferin schaffte es Olivia Gürth bei der WM in Budapest in ein Finale. Und dort drehte die Hindernisläuferin richtig auf und lief in 9:20,08 Minuten einen deutschen U23-Rekord. Zuvor hatte sie bereits Gold bei der U23-EM gewonnen.
Sie war mit 21 Jahren eine der Jüngsten im deutschen Team der Weltmeisterschaften von Budapest – und zeigte eine der besten Leistungen. Olivia Gürth vom Diezer TSK Oranien schaffte es als einzige Deutsche in ein Lauffinale bei den Weltmeisterschaften. Und das war nur der glänzende Schlusspunkt einer herausragenden Saison. Fünfmal verbesserte sie ihre Bestleistung über 3000 Meter Hindernis. Mit einer Bestleistung von 9:47,76 Minuten in die Saison gegangen, lief sie im WM-Finale als 14. 9:20,08 Minuten. Deutscher U23-Rekord und Norm für die Olympischen Spiele in Paris. Mit Gesa Felicitas Krause, Lea Meyer und Antje Möldner waren nur drei Deutsche jemals schneller. Ihren eigentlichen Saisonhöhepunkt hatte sie dabei schon zuvor gehabt: Bei der U23-EM im finnischen Espoo hatte sie in 9:26,98 Minuten Gold gewonnen. Dazu holte sie Gold bei der U23-DM über 3000 Meter Hindernis und 1500 Meter sowie Silber bei den Deutschen Meisterschaften der Erwachsenen – ein Jahr auf der Überholspur!
Mit Olympia-Hoffnung
Deborah Schöneborn
Deborah Schöneborn lief 2023 eine neue Bestzeit im Halbmarathon (1:09:41 h) und im Marathon (2:25:52 h), unterbot die Norm für die Olympischen Spiele und kann sich berechtigte Hoffnungen auf ihre zweite Olympia-Teilnahme nach 2021 machen.
2020 war Deborah Schöneborn 2:26:55 Stunden gelaufen – bis dieses Jahr ihre Marathonbestleistung. Aber im Februar begab sich die Berlinerin auf die Jagd nach der Olympia-Norm von 2:26:50 Stunden. Und war erfolgreich. Beim Sevilla-Marathon lief sie in 2:25:52 Stunden eine neue Bestleistung, unterbot als erste Deutsche die Olympia-Norm und ist nun die achtschnellste Deutsche aller Zeiten. Da es seitdem nur Domenika Mayer und Fabienne Königstein gelungen ist, auch die Norm zu unterbieten, kann sich Deborah Schöneborn Hoffnungen auf ihre zweite Olympia-Teilnahme nach 2021 machen. Auch beim Berlin-Marathon zeigte Deborah Schöneborn ein gutes Rennen, war die zweitbeste Deutsche und lief in 2:27:35 Stunden ihre drittbeste Marathonzeit. Eine neue Bestzeit erreichte sie derweil im Halbmarathon: In Sevilla absolvierte sie die 21,0975 Kilometer in 1:09:41 Stunden. Bei den Deutschen Meisterschaften über 10.000 Meter auf der Bahn und 10 Kilometer auf der Straße gewann sie jeweils Bronze.
Im Team Silber
Rosanna Buchauer
Rosanna Buchauer hat in dieser Saison nicht besonders viele Trailrennen bestritten. Aber bei dem wichtigsten war sie voll da. Als Fünfte beim 86 Kilometer langen Trail-WM-Rennen in Innsbruck trug sie maßgeblich zum deutschen Teamsilber bei.
Für das deutsche Teamsilber, das sie zusammen mit der Einzelzweiten Katharina Hartmuth holten, kämpften Rosanna Buchauer (SV Ruhpolding/5.) und Ida Sophie Hegemann (LG Göttingen/15.) extrem hart. Beide leben in Innsbruck und wollten vor heimischer Kulisse und auf den ihnen vertrauten Trails natürlich optimale Leistungen zeigen: „Am Anfang lief es supergut, aber nach der Hälfte war ich schon tot. Ich hatte Krämpfe und Magenprobleme, habe aber durchgehalten, weil ich die ganze Zeit wusste, dass wir als Team um die Medaille laufen. Ich bin so happy, dass das mit Silber geklappt hat“, sagte Rosanna Buchauer, die 2021 bereits einmal den 51 Kilometer langen Eiger Ultra in der Schweiz gewonnen hat. Rosanna Buchauer wuchs in Inzell auf und war in ihrer Kindheit und Jugend im Eisschnelllauf aktiv. Während ihres Studiums in Innsbruck entdeckte sie vor mittlerweile fast zehn Jahren das Traillaufen für sich.
Europameisterin in der Halle
Hanna Klein
Neue Hallen-Bestzeiten über 1500 und 3000 Meter. Gold bei der Hallen-EM und Silber bei der Hallen-DM über 3000 Meter. Und Platz zwei der ewigen deutschen Bestenliste über 3000 Meter in der Halle – der Winter von Hanna Klein spricht für sich.
Hanna Klein zeigte eine richtig starke Hallensaison. Schon in ihrem ersten Saisonrennen über 3000 Meter lief die Tübingerin in 8:36,42 Minuten eine neue Bestleistung. Bei den Deutschen Hallenmeisterschaften war die 30-Jährige in 8:36,83 Minuten nur wenig langsamer und gewann Silber hinter Konstanze Klosterhalfen (8:34,89 min). Als Erste und zweite der Meldeliste reiste das deutsche Duo zur Hallen-EM in Istanbul und enttäuschte dort nicht. Nach und nach schüttelten sie eine Konkurrentin nach der anderen ab und waren letztlich nur noch zu zweit an der Spitze. Auf der letzten Runde war es dann Hanna Klein, die ihre Spurtstärke ausspielte und noch an Konstanze Klosterhalfen vorbeizog. In 8:35,87 Minuten stellte sie erneut eine neue Bestleistung auf. Hinter der deutschen Rekordhalterin Konstanze Klosterhalfen (8:32,47 min) ist sie nun die zweitschnellste Deutsche aller Zeiten über 3000 Meter in der Halle. Zudem glänzte Hanna Klein mit einer neuen Hallen-Bestleistung von 4:06,23 Minuten über 1500 Meter, mit denen sie auf Platz acht der ewigen deutschen Hallen-Bestenliste liegt. Wegen eines Einrisses der Achillessehne musste sie die Saison im Juli vorzeitig beenden und konnte nicht bei der WM in Budapest starten.
Die Nominierten
Läufer des Jahres
Fünf Titel in Folge
Karl Bebendorf
Sechs der sieben schnellsten Rennen seiner Karriere über 3000 Meter Hindernis gelangen Karl Bebendorf in diesem Jahr, darunter auch zwei Verbesserungen seiner Bestzeit. Zudem feierte der Dresdner seinen fünften nationalen Titel in Folge.
Im deutschen Hindernislauf ist derzeit kein Vorbeikommen an Karl Bebendorf. Dieses Jahr gewann der 27-Jährige vom Dresdner SC 1898 zum fünften Mal in Folge den Titel über 3000 Meter Hindernis bei den Deutschen Meisterschaften. Außerdem lief er in diesem Jahr sechs seiner sieben schnellsten Rennen der Karriere. Dabei verbesserte er auch zweimal seine Bestleistung: Erst auf 8:20,43 Minuten und dann auf 8:19,59 Minuten. Und auch bei den Weltmeisterschaften performte er stark, lief in 8:22,33 Minuten das drittstärkste Rennen seiner Karriere und verpasste den Finaleinzug nur um rund zwei Sekunden.
Trail und Marathon vereinbart
Filimon Abraham
Filimon Abraham rangiert nach seinem ersten beendeten Marathon auf Rang drei der ewigen deutschen Bestenliste. Und bei der Trail-WM in Innsbruck holte er Bronze im „Mountain Classic“ genannten Rennen durch die Berge und die Stadt.
Filimon Abraham sorgte im März beim Marathon in Barcelona für Aufsehen: Er rannte in seinem ersten beendeten Marathon 2:08:22 Stunden. Damit rangierte er für gut einen Monat auf Rang zwei der ewigen deutschen Bestenliste, bevor er im April in Hamburg von Europameister Richard Ringer überholt wurde, der sich auf 2:08:08 Stunden steigerte und damit im Gegensatz zu Abraham unter der für einen Olympiastart in Paris geforderten 2:08:10 Stunden blieb.
Der 30-jährige Athlet aus Traunstein im Chiemgau belegte in Barcelona Rang zehn, nachdem er bei seinen beiden vorherigen Marathonrennen in Hamburg und Frankfurt 2022 jeweils nicht ins Ziel gekommen war. Nur zwölf Sekunden fehlen dem Läufer der LG Telis Finanz Regensburg noch zur internationalen Norm für die Olympischen Spiele 2024.
Der Durchbruch in Barcelona hat sicherlich viele überrascht, die den Läufer bisher noch nicht besonders wahrgenommen hatten. Filimon Abraham stammt aus Eritrea und ist dort aufgewachsen. Als Kind interessierte er sich für den in seinem Heimatland sehr populären Radsport. „Doch es war für mich finanziell nicht möglich, diesen Sport zu betreiben. Ich konnte mir kein Rad kaufen“, erzählte Filimon Abraham, der dann im Fernsehen und in Zeitungsberichten die Läufer-Karrieren des äthiopischen Superstars Haile Gebrselassie und des aus Eritrea kommenden Zersenay Tadese verfolgte. Tadese wurde unter anderem fünfmal Halbmarathon- und einmal Crosslauf-Weltmeister. „Es war ein Kindheitstraum, so erfolgreich zu sein wie sie. Diese beiden Athleten sind noch heute meine Vorbilder.“
2014 flüchtete Filimon Abraham aus seiner Heimat. Durch den Sudan und Libyen ging es über das Mittelmeer nach Italien. Nach acht Monaten kam er in einer Flüchtlingsunterkunft im Chiemgau an. In seiner Heimat hatte er mit dem Laufsport begonnen, doch seine Lauf-Karriere startete er in Deutschland, wo er sich zunächst der LG Rupertiwinkel anschloss, bevor er jetzt seine großen Erfolge im Trikot der LG Telis Finanz Regensburg erringt.
Seine bisher einzige internationale Medaille gewann Filimon Abraham vergangenen Sommer bei der Trail-WM in Innsbruck. Er rannte in in einer superspannenden Mountain Classic über 15 Kilometer mit insgesamt 748 Höhenmetern bergauf und bergab in den Bergen und in der Innsbrucker Altstadt auf Rang drei hinter Leonard Chemutai (Uganda) und Ombogo Philemon Kiriago (Kenia).
Rekord pulverisiert
Amanal Petros
Er lief den Marathon als erster Deutscher unter 2:05 Stunden: Amanal Petros hat seinen eigenen deutschen Marathon-Rekord auf 2:04:58 Stunden verbessert. Auch über 10 Kilometer auf der Straße war er schneller als alle Deutschen vor ihm.
Es war ein Rekord mit Ansage: Amanal Petros hatte angekündigt, beim Berlin-Marathon unter 2:05 Stunden bleiben zu wollen, und der Läufer vom SCC Berlin tat es. Von Anfang an hatte er eine 2:04er-Zeit im Blick und er zog durch. Letztlich verbesserte er seinen eigenen deutschen Rekord um 1:29 Minuten auf 2:04:58 Stunden. Er schaffte es als Neunter als zweiter Deutscher seit der Jahrtausendwende beim BMW Berlin-Marathon in die Top Ten zu laufen. Mit seinem Sieg beim Hannover-Marathon im März in 2:07:02 Stunden hatte er bereits ein weiteres tolles Marathonrennen gezeigt. Aber auch auf den Unterdistanzen zeigte der 28-Jährige in diesem Jahr tolle Rennen: Über zehn Kilometer auf der Straße verbesserte er seine Bestzeit zweimal bis auf 27:32 Minuten und löste damit Carsten Eich (27:47 min) als deutscher Rekordhalter ab (der dt. Rekord wurde noch nicht ratifiziert). Im September lief er in Brüssel die 10.000 Meter auf der Bahn in 27:47,62 Minuten so schnell wie noch nie zuvor. Sechs Rennen, vier persönliche Bestleistungen und zwei nationale Rekorde – eine Bilanz, die sich sehen lassen kann.
Klassiker-Jäger
Hendrik Pfeiffer
Mit Boston, Berlin und New York ging Hendrik Pfeiffer 2023 gleich bei drei Marathon-Klassikern an den Start und zeigte überzeugende Leistungen. Highlight war die neue Bestleistung von 2:08:48 Stunden, womit er beim Berlin-Marathon drittbester Deutscher wurde.
Einen der sechs Marathons der World Marathon Majors zu laufen, ist ein riesiges Erlebnis. Dort eine Top-Leistung zu bringen, ist immer aller Ehren wert. Hendrik Pfeiffer von der TK Hannover ist das in diesem Jahr gleich dreimal gelungen! Im April lief er beim Klassiker in Boston in 2:12:22 Stunden auf den 16. Rang. Die beste Leistung des Jahres gelang ihm im September beim Berlin-Marathon, wo er seine Bestleistung um 1:30 Minuten auf 2:08:48 Stunden steigerte. Damit schaffte er eine Punktlandung, denn er unterbot die Norm von 2:08:50 Stunden, die den Verbleib im Kader sicherte. Zudem war er als 20. hinter Amanal Petros und Samuel Fitwi der drittbeste Deutsche. Zudem schob er sich auf Platz sieben der ewigen deutschen Bestenliste. Ein weiteres tolles Ergebnis gelang ihm nur wenig später Anfang November in New York, wo er eine Top Ten-Platzierung nur knapp verpasste. In 2:12:53 Stunden lief der 30-Jährige auf Rang 12. Zwischen den beiden Rennen in Berlin und New York hatte er Anfang Oktober beim Köln-Marathon als Tempomacher noch seine Verlobte Esther Jakobitz zum Deutschen Meistertitel geführt.
Der Titelverteidiger
Richard Ringer
2016 und 2021 war Richard Ringer vom LC Rehlingen bereits bei Olympia am Start, dieses Jahr stellte er die Weichen für seine dritte Teilnahme: In Hamburg lief er 2:08:08 Stunden und unterbot er die Olympia-Norm mit einer Punktlandung um zwei Sekunden.
Spannender hätte es der "Läufer des Jahres" 2022 kaum machen können: Die Olympia-Norm liegt bei 2:08:10 Stunden. Und genau die wollte Marathon-Europameister Richard Ringer beim Hamburg-Marathon unterbieten, um im kommenden Jahr zum dritten Mal nach 2016 (5000 m) und 2021 (Marathon) bei Olympischen Spielen dabei zu sein. Und es gelang dem Läufer vom LC Rehlingen eine Punktlandung: Nach 2:08:08 Stunden überquerte er mit einer neuen persönlichen Bestleistung die Ziellinie. Damit ist er bislang neben dem deutschen Marathonrekordler Amanal Petros der einzige Deutsche, der die Olympia-Norm unterboten hat. Daneben sicherte er sich gleich zwei deutsche Meistertitel: Bei den Deutschen 10-Kilometer-Meisterschaften setzte er sich in 29:24 Minuten durch. Beiden Deutschen Halbmarathon-Meisterschaften gewann er in 1:01:44 Stunden, nachdem er zuvor in Barcelona seine Bestleistung auf 1:01:09 Stunden gedrückt hatte. Bei der Halbmarathon-WM lief er auf Platz 38.
Nah am Deutschen Rekord
Nils Voigt
Seit Dieter Baumann vor 26 Jahren den deutschen 10.000-Meter-Rekord aufgestellt hatte, war kein Deutscher so nah an den Rekord herangekommen, wie Nils Voigt in diesem Jahr. Der Wattenscheider steigert sich auf 27:30,01 Minuten.
Bereits früh in der Saison – im März – gelang dem Wattenscheider Nils Voigt ein grandioses Rennen. Im US-amerikanischen San Juan Capistrano lief er über 10.000 Meter nach 27:30,01 Minuten ins Ziel. Damit steigerte der 26-Jährige nicht nur seine Bestleistung um 19,03 Sekunden, sondern er schob sich auch in der ewigen deutschen Bestenliste bis auf den vierten Platz nach vorne. Seitdem Dieter Baumann 1997 den deutschen Rekord von 27:21,53 Minuten aufgestellt hatte, ist kein Deutscher schneller gewesen als Nils Voigt in diesem Jahr. Bei den Deutschen 10.000-Meter-Meisterschaften gewann er in 28:03,15 Minuten überlegen den Titel und bei den Deutschen Hallenmeisterschaften setzte er sich über 3000 Meter mit der neuen Bestleistung von 7:56,80 Minuten durch. Vor den Weltmeisterschaften in Budapest hatte er mit Achillessehnen-Problemen zu kämpfen. Bei hochsommerlichen Temperaturen lief er in der ungarischen Hauptstadt bei seinem WM-Debüt in 29:06,79 Minuten auf den 21. Rang.
Fulminanter Saisonstart
Robert Farken
Nach einem fulminanten Saisonstart ist Robert Farken (SC DHfK Leipzig) über 1500 Meter bis auf 52 Hundertstel an den 43 Jahre alten deutschen Rekord herangerückt. Doch danach musste er die Saison wegen Achillessehnen-Problemen beenden.
14 Monate konnte Robert Farken wegen einer Hüftverletzung am Oberschenkelhals, hervorgerufen durch Vitamin-D-Mangel, keine Wettkämpfe bestreiten und lange Zeit auch nur alternativ trainieren. Aber im Mai meldete sich der 26-Jährige vom SC DHfK Leipzig fulminant zurück. Bei seinem ersten Saisonrennen stellte er in 1:45,65 Minuten eine neue persönliche 800-Meter-Bestzeit auf. Und eine Woche später dann ein echter Paukenschlag: In Rehlingen lief er die 1500 Meter in 3:32,10 Minuten. Nur drei Deutsche waren jemals schneller: der deutsche Rekordhalter Thomas Wessinghge, der in 3:31,58 Minuten nur 52 Hundertstel schneller war, Harald Hudak (3:31,96 min) und Homiyu Tesfaye (3:31,98 min). Die Hoffnung war groß, im Verlauf der Saison noch etwas draufpacken und den Rekord knacken zu können. Doch bei seinem nächsten Start, den Deutschen Meisterschaften, bestritt er zwar noch den Vorlauf, verzichtete dann aber wegen Achillessehnen-Problemen auf das Finale. Wenig später beendete er seine Saison wegen anhaltender Probleme endgültig.
Zwei Marathons zur Spitze
Samuel Fitwi
Bei seinem Marathon-Debüt im Frühling und beim zweiten Marathon im Herbst zeigte Samuel Fitwi tolle Leistungen und verpasste in 2:08:28 Stunden die Olympia-Norm nur um 18 Sekunden. Er der viertschnellste deutsche Marathonläufer überhaupt.
Im Februar absolvierte Samuel Fitwi ein starkes Marathon-Debüt: Beim Sevilla-Marathon lief er nach 2:12:14 Stunden ins Ziel. Dass er da aber noch schnellere Zeiten laufen würde, deutete sich bereits beim Berliner Halbmarathon im April an: Dort verbesserte er seine Bestleistung auf 1:01:44 Stunden und lief damit als Neunter in die Top Ten. Und dann im September in Berlin zeigte er, was über die 42,195 Kilometer wirklich in ihm steckt: In 2:08:28 Stunden verbesserte er seine Bestleistung um 3:46 Minuten und war hinter Amanal Petros der zweitbeste Deutsche. Einziger Wermutstropfen: Die Olympia-Norm von 2:08:10 Stunden verpasste der 27-Jährige vom Verein Silvesterlauf Trier e.V. denkbar knapp um 18 Sekunden. Dafür rangierte er nun auf Platz vier der ewigen deutschen Bestenliste hinter Amanal Petros, Richard Ringer und Filimon Abraham, die ihre Bestleistungen auch alle in diesem Jahr aufstellten.
Bester Ultratrailrunner
Hannes Namberger
Bei der Trail-WM in Innsbruck erlebte Hannes Namberger auf Rang 19 eine Enttäuschung. Aber nur, um dann als Sieger beim Eiger Ultra in der Schweiz und als Achter beim legendären UTMB in Chamonix umso stärker zurückzukommen.
Nachdem es für den wohl besten deutschen Ultratrailrunner Hannes Namberger bei den Trail-Weltmeisterschaften in Innsbruck im Frühsommer nicht so gut gelaufen war, wie erhofft, überzeugte er ein paar Monate später beim wichtigsten Rennen der Szene voll: Beim UTMB rund um den Mont Blanc kam er nach 170 Kilometern und 10.000 Höhenmetern als Achter ins Ziel im französischen Chamonix. Dass ihm Tyler Green aus den USA kurz vor dem Ziel noch Rang sieben wegschnappte, war völlig egal. „Alle, die heute vor mir im Ziel waren, haben das verdient“, meinte Hannes Namberger, nachdem er nach über 21 Stunden als Achter gefeiert wurde. Der beste deutsche Ultratrailläufer hatte alles gegeben. Kurz nach dem Zieleinlauf hatte er Mühe, sich auf den Beinen zu halten. „Heute hat alles gepasst, mehr geht auf dieser Strecke für mich nicht“, meine Namberger, der exakt eine Stunde schneller war als vor zwei Jahren bei seinem damals sechsten Platz. „Das Niveau war brutal hoch und die Strecke liegt mir eigentlich nicht. Sie ist zu lang und zu schnell,“ so Namberger. Er liebt Distanzen um 100 Kilometer und technisch anspruchsvollere Trails. So wie beim Eiger Ultra, den er wenige Woche zuvor gewinnen konnte. Und so wie bei der Trail-WM in Innsbruck, weshalb er dort mehr von sich erwartet hatte als jenen 14. Rang, auf dem er nach fast 87 Kilometern mit 6500 Höhenmetern bergauf als bester Deutscher in 10:33:47 Stunden gefinisht hatte. Für den Bundespolizisten aus Ruhpolding, der in Freilassing Vollzeit arbeitet, wäre allerdings eine deutlich bessere Platzierung drin gewesen, wenn er nicht schon zu Beginn des Rennens den Kontakt zur Spitze vollkommen verloren hätte. Zwischenzeitlich war er auf Rang 39 zurückgefallen. „Die Strecke war extrem anspruchsvoll und technisch“, blickt der 34-Jährige zurück, „aber vor allem habe ich am Anfang einen Ernährungsfehler gemacht. Ich habe auf eine neue Verpflegung mit mehr Proteinen und Elektrolyten gesetzt, was im Training immer perfekt funktioniert hat. Aber auf der ganz langen Distanz sind irgendwie nicht genug Kohlenhydrate in den Beinen angekommen. Ich habe dann bei den nächsten Verpflegungsstellen anrufen lassen, und wir haben das Konzept umgestellt. Danach kam die Energie an und auf der zweiten Hälfte bin ich immer weiter nach vorn gelaufen. Das hat dann Spaß gemacht.“
Bestzeiten auf vielen Strecken
Davor Aaron Bienenfeld
Davor Aaron Bienenfeld lief in diesem Jahr von einer neuen Bestleistung zur nächsten: Auf Strecken von den 1500 Metern bis hin zum Halbmarathon war der 26-Jährige vom SCC Hanau-Rodenbach in diesem Jahr so schnell wie nie zuvor.
Eine neue Bestleistung? Ach Quatsch – gleich vier neue Bestleistungen auf Strecken von 1500 Metern bis zum Halbmarathon hat Davor Aaron Bienenfeld in diesem Jahr aufgestellt. Die erste gelang dem Läufer vom SSC Hanau-Rodenbach im US-amerikanischen San Juan Capistrano, wo er die 10.000 Meter in 27:55,96 Minuten lief. Über die 5000 Meter steigerte sich der 26-Jährige im Mai in Walnut (USA) auf 13:19,21 Minuten. Dass er aber auch die kurzen, schnellen Strecken richtig gut laufen kann, bewies er im weiteren Verlauf der Saison: Im Mai lief er die 1500 Meter im US-amerikanischen Gresham in 3:41,16 Minuten. Nachdem er bereits im April in Berlin in 1:01:51 Stunden eine neue Halbmarathon-Bestzeit aufgestellt hatte, steigerte er diese im Oktober noch einmal: Bei der Halbmarathon-WM in Riga erreichte er nach 1:01:49 Stunden als 32. das Ziel. Damit rangiert er jetzt auf Platz zwölf der ewigen deutschen Bestenliste. Das erfolgreiche Jahr komplett machte die Silbermedaille bei den Deutschen 10-Kilometer-Meisterschaften.
Deutliche Steigerungen
Simon Boch
Simon Boch überzeugte 2023 gleich mit zwei neuen Bestzeiten: Im Marathon steigerte er sich auf 2:09:25 Stunden, im Halbmarathon liegt seine Bestmarke jetzt bei 1:01:23 Stunden – und der Regensburger ist damit der achtschnellste Deutsche aller Zeiten.
Gleich zwei neue Bestleistungen konnte Simon Boch in diesem Jahr verbuchen: Im vollen und im Halbmarathon. Im Februar verbesserte er sich in Sevilla über die Halbmarathon-Distanz auf 1:01:23 Stunden, womit er jetzt der achtschnellste Deutsche aller Zeiten ist. Bei den Deutschen Halbmarathon-Meisterschaften bestätigte er diese Zeit mit 1:01:54 Stunden und gewann damit Silber. Und auch im Marathon lief es gut für den 29 Jahre alten Regensburger. Im April gewann er den Linz-Marathon und steigerte seine Bestleistung auf 2:09:25 Stunden. Beim Frankfurt-Marathon lag er lange auf Kurs für eine Zeit um 2:08 Stunden, womit er die Olympia-Norm von 2:08:10 Stunden unterboten hätte. Letztlich konnte er das Tempo aber doch nicht halten und lief in 2:12:32 Stunden aber immerhin als Neunter noch in die Top Ten des Marathons.
Die Nominierten
Nachwuchsläuferin des Jahres
Die R5K-Siegerin
Linda Meier
Linda Meier lief 2023 von einer Bestzeit zur nächsten und holte Medaillen bei Deutschen Nachwuchsmeisterschaften. Die 19 Jahre alte Passauerin geht als erste U20-Siegerin der R5K-Tour in die Geschichte ein.
Linda Meier lief 2023 von Bestzeit zu Bestzeit. Die 19-Jährige vom LAC Passau war über 1500 (4:24,23 min) und 3000 Meter (9:17,01 min) so schnell wie nie zuvor, genauso wie über 10 Kilometer (34:07 min). Bei den Deutschen U20-Meisterschaften gewann sie Silber in der Halle und Bronze im Freien über 3000 Meter, bei der U20-EM lief sie auf Platz sieben über 5000 Meter. Außerdem sicherte sich Linda Meier den Sieg der R5K-Tour in der U20-Klasse. Bei der Rennserie gehen von vier 5-Kilometer-Rennen drei Rennen in die Wertung ein.
Silber in Jerusalem
Adia Budde
Wie im vergangenen Jahr bei der U18-EM in Jerusalem über 2000 Meter Hindernis holte Adia Budde vom TSV Altenholz in diesem Jahr an gleicher Stelle Silber bei der U20-EM über 3000 Meter Hindernis. Sie gewann zudem zweimal DM-Gold.
Jerusalem ist ein gutes Pflaster für Adia Budde. Bereits im vergangenen Jahr hatte die Läuferin vom TSV Altenholz dort Silber bei der U18-EM über 2000 Meter Hindernis. Und dieses Jahr wiederholte die 18-Jährige dies bei der U20-EM: Über 3000 Meter Hindernis lief sie in 10:07,34 Minuten als Zweite ins Ziel und erfüllte sich ihren Medaillentraum. Zuvor hatte sie bereits Gold bei der U20-DM über 2000 Meter Hindernis und bei der U20-Hallen-DM über 3000 Meter geholt. Zudem verbuchte sie neue Bestzeiten über 800 Meter (2:07,66 min), 1500 Meter (4:22,20 min), 3000 Meter (9:18,07 min), 5000 Meter (16:27,98 min), über 2000 Meter Hindernis (6:17,91 min) und 3000 Meter Hindernis (9:59,96 min).
EM-Bronze erkämpft
Sofia Benfares
Bei hohen Temperaturen drehte Sofia Benfares bei den U20-Europameisterschaften in Jerusalem richtig auf: Die Rehlingerin erkämpfte sich über 3000 Meter Bronze. Zudem verbuchte sie zwei DM-Medaillen und neue Bestzeiten.
Bei rund 30 Grad im Schatten kämpfte Sofia Benfares bei der U20-EM in Jerusalem um eine Medaille über 3000 Meter – und wurde dafür belohnt. Die 19-Jährige vom LC Rehlingen lief in 9:25,42 Minuten auf den Bronzerang. Beim letzten Rennen vor der U20-EM – den Deutschen U20-Meisterschaften – hatte sie über dieselbe Distanz als Zweitplatzierte ihre Bestleistung auf 9:16,64 Minuten gesteigerte. Zudem gelang es ihr, bei den Deutschen Meisterschaften der Erwachsenen über 5000 Meter in 16:08,26 Minuten ebenfalls eine neue Bestleistung zu laufen und zudem Bronze zu gewinnen. Auch über 1500 Meter war sie in 4:23,04 Minuten in diesem Jahr so schnell wie nie zuvor.
„Unbeschreibliche“ Saison
Kira Weis
Kira Weis sorgte 2023 für einige Highlights. Silber bei der U20-EM über 5000 Meter ließ sie im Oktober noch herausragende 32:31 Minuten über 10 Kilometer folgen und lief damit bis auf sieben Sekunden an den deutschen U20-Rekord heran.
Kira Weis selbst beschreibt ihre zurückliegende Saison als „unbeschreiblich“. Und die 19-Jährige hat wirklich einiges erreicht. Bei der U20-EM in Jerusalem steigerte sie ihre Bestleistung über 5000 Meter um enorme 26,73 Sekunden auf 15:50,36 Minuten und gewann damit Silber. Bei der U20-DM hatte sie über 3000 Meter mit neuer Bestzeit von 9:06,79 Minuten Gold gewonnen. Ende Oktober lies sie noch einmal besonders aufhorchen: In Luzern lief sie die 10 Kilometer in 32:31 Minuten. Keine Europäerin dieser Altersklasse war in diesem Jahr schneller. Außerdem fehlten ihr nur sieben Sekunden zum deutschen U20-Rekord, den Konstanze Klosterhalfen hält. Mit der Mannschaft des KSG Gerlingen verbesserte sie die eigene deutsche U20-Mannschaftsbestleistung auf 1:51:15 Stunden. Kira Weis verbuchte außerdem noch eine neue persönliche Bestleistung über 1500 Meter (4:21,88 min).
Zweitschnellste Europäerin
Franziska Drexler
Franziska Drexler von der LG Telis Finanz Regensburg steigerte sich über 5000 Meter auf 16:32,10 Minuten. 2023 unterbot nur eine andere Europäerin in der Klasse der unter 18-Jährigen diese Bestzeit auf den zwölfeinhalb Stadionrunden.
Lediglich eine Europäerin war in der Altersklasse der unter 18-Jährigen in diesem Jahr schneller über 5000 Meter als Franziska Drexler. Die 17-Jährige von der LG Telis Finanz Regensburg steigerte sich auf 16:32,10 Minuten. Zudem gewann sie über 3000 Meter Bronze bei der U20-Hallen-DM und Silber bei der U18-DM im Freien. In 9:34,88 Minuten stellte sie zudem über diese Strecke auch eine neue Bestleistung auf. Bei den Deutschen Meisterschaften über 10 Kilometer war sie in 34:49 Minuten die schnellste U18-Läuferin, hatte dort aber für die U20-Wertung gemeldet.
Die Nominierten
Nachwuchsläufer des Jahres
Vier DM-Medaillen
Silas Zahlten
Gleich vier Medaillen bei deutschen Nachwuchsmeisterschaften heimste Silas Zahlten von der LG Brillux Münster 2023 ein. Daneben verbuchte er mehrere neue Bestleistungen auf verschiedenen Strecken.
Silas Zahlten (LG Brillux Münster) entpuppte sich 2023 als fleißiger Medaillensammler bei Deutschen Nachwuchsmeisterschaften. Bei den Deutschen Jugendmeisterschaften in Rostock gewann er Gold über 2000 Meter Hindernis und zudem noch Silber über 3000 Meter. In der Halle hatte er bei den Deutschen U20-Hallen-Meisterschaften bereits Silber über 3000 Meter gewonnen. Im Freien ließ er bei den Deutschen U23-Meisterschaften noch Bronze über 3000 Meter Hindernis folgen und lief dabei in 8:54,21 Minuten eine neue Bestzeit. Bei der U20-EM wurde er in der gleichen Disziplin 13. Zudem lief Silas Zahlten neue Bestleistungen über 1500 Meter (3:46,83 min) und 3000 Meter (8:17,87 min).
Silber bei der R5K-Tour
Jakob Dieterich
Beim finalen Rennen der R5K-Tour am Brandenburger Tor in Berlin war Jakob Dieterich der schnellste U20-Läufer und sicherte sich damit den zweiten Platz bei der neu gegründeten Rennserie für den deutschen Laufnachwuchs.
Bei der R5K-Tour, die aus vier 5-Kilometer-Rennen bestand und von denen drei in die Wertung eingingen, mischte Jakob Dieterich (Laufteam Kassel) ganz vorne mit. Beim Finale am Brandenburger Tor war der 18-Jährige in 14:42 Minuten der schnellste U20-Läufer und zeigte damit auch die schnellste U20-Zeit der Rennserie. In der Gesamtwertung musste er sich schließlich mit 19 Sekunden Rückstand nur Tristan Kaufhold geschlagen geben. Jakob Dieterich überzeugte zudem mit neuen Bestzeiten über 3000 Meter (8:22,58 min) und über 10 Kilometer (31:07 min)
Vielseitiger Hoffnungsträger
Lukas Ehrle
Lukas Ehrle von der LG Brandenkopf gehört zu den großen deutschen Lauftalenten. Und das gleich auf verschiedenen Strecken und Terrains. Er gewann den DM-Titel im Berglauf bei den Erwachsenen und lief bei der Berglauf-WM auf einen starken vierte Platz.
Lukas Ehrle gehört zu den vielseitigsten Lauftalenten Deutschlands. Zweimal war er zuvor Deutscher Vize-Meister im Berglauf gewesen – dieses Mal gelang es ihm, als Erster die Ziellinie zu überqueren. Und das mit zu diesem Zeitpunkt noch 18 Jahren bei den Erwachsenen wohlgemerkt! Der Läufer von der LG Brandenkopf, der im November seinen 19. Geburtstag feierte, feierte bei der Berglauf-WM zudem einen starken vierten Platz über 7,5 Kilometer mit 374 Höhenmetern bergauf und bergab in 28:28 Minuten. Zudem feierte er eine neue Bestzeit über 5000 Meter (14:39,03 min) auf der Bahn und stellte über 10 Kilometer auf der Straße in 30:36 Minuten seine Bestzeit ein. Bei der 10-Kilometer-DM gewann er den Titel in der U20-Altersklasse.
Neuer deutscher U18-Rekord
Tristan Kaufhold
In 30:04 Minuten lief Tristan Kaufhold (SSC Hanau-Rodenbach) die 10 Kilometer so schnell wie kein anderer deutscher U18-Läufer zuvor. Und auch in Europa war in diesem Jahr keiner schneller als der 17-Jährige.
Gleich im Frühjahr trumpfte Tristan Kaufhold vom SSC Hanau-Rodenbach richtig auf. Beim Lauf Rund um das Bayerkreuz in Leverkusen lief er die 10 Kilometer in 30:04 Minuten. Kein Deutscher war in der U18-Altersklasse jemals schneller. Und auch die europäische Jahresbestenliste führt der erst 17-Jährige damit an. Mit einem weiteren starken 10-Kilometerrennen sicherte er sich den deutschen U18-Titel. Außerdem entschied er die U20-Wertung der R5K-Tour, die aus vier 5-Kilometer-Rennen bestand und von denen drei in die Wertung eingingen, für sich und lief bei der U20-EM über 5000 Meter auf den elften Rang. Neben den 10 Kilometern stellte er auch über 1500 Meter (3:50,92 min), 3000 Meter (8:15,09 min) und 5000 Meter (14:22,63 min) neue Bestleistungen auf und gewann Gold bei der U18-DM über 1500 Meter und der U20-Hallen-DM über 3000 Meter.
EM-Silber mit der Staffel
Malik Skupin-Alfa
Eigentlich ist Malik Skupin-Alfa von der LG Offenburg ein sehr guter 800-Meter-Läufer und gewann in dieser Disziplin Gold bei der U20-DM. Bei der U20-EM zeigte er seine Sprintstärke und holte mit der 4x400-Meter-Staffel Silber.
Zahlreiche Bestleistungen und eine internationale Medaille – so die Kurzzusammenfassung der Saison von Malik Skupin-Alfa. Der 19-Jährige von der LG Offenburg steigerte sich über 200 Meter (22,25 sec), 400 Meter (47,10 sec), 600 Meter (1:16,52 min) und 800 Meter (1:47,84 min). Die 600 Meter lief in diesem Jahr kein Europäer schneller. Nachdem er bei der Hallen-DM noch Silber über 800 Meter gewonnen hatte, holte er im Freien Gold. Bei den U20-Europameisterschaften ging er über 800 Meter an den Start. Highlight war aber der Gewinn der Silbermedaille mit der 4x400-Meter-Staffel in Jerusalem.