Hitzeschlacht ohne Zuschauer, aber mit guten Leistungen

| Text: Jörg Wenig | Fotos: imago images/von der Laage

Keine Zuschauer und große Hitze: Die aufgrund der Coronavirus-Pandemie in den Hochsommer verschobenen und unter strengen Hygiene-Bedingungen organisierten Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Braunschweig stellten die Langstreckenläufer vor eine große Herausforderung.

Bei den Laufwettbewerben am Sonnabend und Sonntag wurden Temperaturen zwischen 33 und 36 Grad Celsius gemessen. Die Hoffnung auf schnelle Zeiten, die es ohnehin bei Titelkämpfen eher selten gibt, war somit schon vor dem ersten Start dahingeschmolzen.

Die bitterste Pleite erlebte unter diesen Bedingungen Europameisterin Gesa Krause (Silvesterlauf Trier) im 3.000-m-Hindernisfinale der Frauen. Die Weltklasseläuferin und große Favoritin gab das Rennen in der Braunschweiger Hitze auf und begründete das anschließend mit dem abrupten Klimawechsel vom Höhentraining im kühlen Davos ins heiße Niedersachsen.

„Es ging von Anfang an wenig. Wir waren nicht schnell unterwegs. Aber selbst dieses Tempo fiel mir verhältnismäßig schwer, was nicht zu meinem Training passt. Ich glaube, wenn ich nicht fit gewesen wäre, wäre ich nicht hergekommen. Ich kam erst vor einigen Tagen aus der Schweiz. Ich habe kurz mit meinem Trainer gesprochen. Klimawechsel, heiße Temperaturen, schwere Beine vom Training. Es kam heute alles zusammen. Das ist unschön, zum Höhepunkt nicht fit zu sein. Das war definitiv nicht mein Tag. Ich habe eigentlich sehr gut trainiert und hoffe, dass ich das bei anderen Wettkämpfen, die noch kommen, unter Beweis stellen kann“, sagte Gesa Krause, die 2019 zum zweiten Mal bei einer WM die Bronzemedaille gewonnen hatte.

Gesa Krause hatte in Braunschweig eine würdige Nachfolgerin: Jubeln durfte die aufstrebende Elena Burkhard (LG farbtex Nordschwarzwald), die in 9:50,31 Minuten deutlich vor Lea Mayer (VfL Löningen/9:58,87) gewann. Dritte wurde Agnes Gers (SCC Berlin) mit 10:02,85. „Ich habe mir gesagt, ich probiere einfach alles oder gehe mit fliegenden Fahnen unter. In dem Fall hat es funktioniert. Der Titel ist für mich extrem wichtig. Ich habe ein schwieriges Jahr hinter mir, ich war 2019 verletzt. Es ging lange auf und ab. Ich bin froh, wieder verletzungsfrei laufen zu können“, sagte Elena Burkhard.

Im 5.000-m-Rennen der Frauen führte ohne Titelverteidigerin Konstanze Klosterhalfen (TSV Bayer 04 Leverkusen), die zurzeit noch in den USA trainiert und erst etwas später in die kurze Saison einsteigt, kein Weg an Alina Reh (SSV Ulm) vorbei. Bei 33 Grad führte Domenika Mayer (LG Telis Finanz Regensburg) das Feld nach gemächlichen 3:25,92 Minuten durch die 1.000-m-Marke. Als sich später Alina Reh an die Spitze setzte, wurde das Tempo schneller, jedoch auch nicht gravierend. Die große Favoritin, die bei normalen Bedingungen gerne die 15-Minuten-Marke angegriffen hätte, gewann schließlich in 16:08,33 vor Rabea Schöneborn (LG Nord Berlin/16:18,57) und Domenika Mayer (16:19,00).

„Ich sollte mich am Anfang zurückhalten, was mir schwer gefallen ist. Ich habe dann zu einem Zwischenspurt angesetzt. Das Ziel war, dass ich das Tempo halte. Im Training funktioniert es, aber im Wettkampf kann ich es im Moment leider überhaupt nicht umsetzen“, sagte Alina Reh. „Die Hitze sehe ich als Chance, weil wir nächstes Jahr in Tokio wohl noch schwierigere Bedingungen haben werden. Deswegen kann man sich daran schon mal gewöhnen.“

36 Grad herrschten tags zuvor am Sonnabend beim 5.000-m-Finale der Männer. Hier setzte sich ein Youngster durch: Der 21-jährige Mohamed Mohumed (LG Olympia Dortmund) gewann in 14:02,75 Minuten vor Maximilian Thorwirth (SFD 75 Düsseldorf-Süd/14:05,64), der wiederum Florian Orth (LG Telis Finanz Regensburg/14:06,43) auf Rang drei verwies. „Ich bin sehr glücklich über den Titel. Die Bedingungen waren sehr hart, normalerweise finden die langen Strecken abends statt. Mein Trainer und ich hatten abgesprochen, dass ich das Renngeschehen abwarte und dann eingreife, wenn es passt“, sagte Mohamed Mohumed.

Ebenfalls 36 Grad wurden beim 3.000-m-Hindernisrennen am Sonntag gemessen. Hier verteidigte Karl Bebendorf (Dresdner SC) seinen Titel in 8:42,42 Minuten klar vor Tim Stegemann (8:48,10) und Martin Grau (beide LAC Erfurt/8:51,09). „Der Wettkampf war ungewohnt ohne Zuschauer, die Stimmung hat gefehlt. Allerdings muss man im Hindernislauf die ganze Zeit fokussiert sein, so dass man das während des Rennens nicht so sehr bemerkt hat“, sagte Karl Bebendorf.

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