Köln läuft auf Zeit: Fast wie ein richtiger Wettkampf

| Text: Christian Ermert | Fotos: fit.KÖLN/Eddy Bopp

In Köln ist es ab sofort möglich, sich unter den geltenden Abstands- und Hygieneregeln mit anderen Läufern zu messen. Auf einer Runde um den Fühlinger See mit professioneller Zeitmessung, festem Start und Ziel und einer richtigen Ergebnisliste. Die Veranstalter würden das Angebot gern auch auf andere Städte ausweiten.

Fast ein ganzes Frühjahr ohne Wettkämpfe liegt jetzt schon hinter uns. Und angesichts der andauernden Corona-Pandemie sieht es nicht danach aus, als könnten wir schon bald wieder eine Startnummer anheften und mit hunderten anderen über spannende Strecken auf Zeit laufen. Kein Wunder, dass viele von uns das Wettkampffeeling, dieses Kribbeln vor dem Start, das Laufen auf Zeit, das Alles-Geben-Was-Man-Hat vermissen. Virtuelle Läufe, bei denen man alleine auf irgendeiner Stecke die Kilometer abreißt, die man eigentlich beim ausgewählten Event laufen wollte, und seine Zeit mit der Laufuhr oder dem Smartphone misst, sind ja auch kein wirklicher Ersatz.

So oft du willst rund um den Fühlinger See

Näher dran am echten Wettkampffeeling ist man seit dieser Woche in Köln. Dort wurde eine 5,4 Kilometer lange Laufstrecke rund um die Regattastrecke am Fühlinger See eingerichtet, auf der man jetzt jeden Tag ein bisschen Wettkampffeeling erleben kann. Natürlich unter Berücksichtigung des Mindestabstands und der Hygienevorgaben. Und mit den Zeitmessanlagen von Mika-Timing, die auch bei den weltweit größten Marathon- und Laufevents von Berlin und Hamburg über London bis hin zum Boston- und Chicago-Marathon eingesetzt werden.

Werktags am späten Nachmittag sowie am Samstag- und Sonntagvormittag wird im Kölner Norden eine Laufstrecke betrieben, auf der du dich nach Voranmeldung mit anderen messen kannst. Natürlich ohne Massenstart und unter Wahrung der Abstandsregeln bei Start und Ziel und auf der Strecke. Und so funktioniert das Ganze: Wie bei einem ganz normalen Wettkampf meldest du dich für deinen Lauf online an.

Mit dem Chip am Schuh in die offizielle Ergebnisliste

Der einzige Unterschied: Du musst eine Zeit festlegen, zu der du starten möchtest und zu dieser Zeit müssen noch Plätze frei sein. Alles, was du für die Teilnahme brauchst ist ein Champion-Chip, wie er auch bei den großen Läufen für die Zeitmessung verwendet wird. Wenn du über einen eigenen Chip verfügst, gibst du einfach dessen Nummer bei der Anmeldung an. Wer keinen Chip hat, bestellt ihn online. Vor Ort wird dann der Chip ausgehändigt. Die Leihgebühr beträgt neun Euro für die Laufzeit von fünf Wochen, die Kaufgebühr beträgt ausschließlich für dieses Projekt einmalig nur 20 Euro. Ansonsten ist die Teilnahme kostenlos.

Hier geht es zur Anmeldung für Köln läuft auf Zeit

Nachdem der Chip am Schuh befestigt ist, gehst du zur vereinbarten Zeit allein an den Start und überläufst – wie bei einem normalen Rennen – die Zeitmessmatten. Die komplett autofreie Strecke um den See ist durchgehend markiert, verlaufen und abkürzen ist unmöglich. Die von den üblichen Wettkämpfen bekannten Dixie-Klos stehen auch bereit. Unterwegs läufst du noch zweimal über Matten, mit denen Zwischenzeiten gemessen werden, und nach 5,4 Kilometern bist du im Ziel – oder du läufst einfach weiter und verlängerst deinen Lauf um eine oder mehrere Runden. Danach tauchst du automatisch in den Tages- und Gesamtergebnislisten, die auf fit-koeln.de ständig aktuell abrufbar sind.

Klick dich durch: Die Bilder von der ersten Runde Köln läuft auf Zeit

Die Idee zu Köln läuft auf Zeit hatten Sebastian Lange und Arne Greskowiak von fit.Köln. Mit Beginn der Kontaktsperren und Sportverboten im Zuge der Corona-Bekämpfung hatten sie angefangen, unter dem Motto Sport@Home, Kölner zu Hause mit Trainingsvideos in Bewegung zu bringen. Nachdem die Maßnahmen gelockert worden sind, gehen sie jetzt zusammen mit der Stadt Köln den nächsten Schritt und ermöglichen mit Köln läuft auf Zeit Sportlern erste Laufwettbewerbe. Organisiert wird das Projekt in Zusammenarbeit mit der LLG 80 Nordpark Köln und Mika Timing als für die Zeitmessung zuständigen Partner. Als Unterstützer konnte zudem die PSD Bank West eG gewonnen werden.

Zudem haben die Teilnehmer unter dem Motto „Laufend engagiert“ bei der Startplatz-Reservierung die Möglichkeit zwei Euro für die RheinFlanke gGmbH zu spenden, einer gemeinnützigen Trägerin sportbezogener Jugend- und Bildungsarbeit. Sie unterstützen damit die sportliche Förderung benachteiligter junger Menschen, die außerdem für Schule und Beruf „fit“ gemacht werden. Unterstützt wird das Projekt außerdem vom ehemaligen Boxer Torsten May (auf dem Bild links), der 1992 in Barcelona Olympiagold holte und heute den Maylife-Boxclub am Fühlinger See in Köln betreibt, sowie von ARD-Fußballkommentator Tom Bartels (auf dem Bild rechts), einem Förderer der RheinFlanke.

Mitinitiator Arne Greskowiak, der den Eishockey-Bundesligisten Kölner Haie als Athletiktrainer betreut, bringt Sportler zudem auf der Facebook-Seite von laufen.de und auf fit-koeln.de mit Fitnessvideos in Schwung. Und sein Partner Sebastian Lange denkt bereits über Köln hinaus: „Das Konzept lässt sich ohne besonders großen Aufwand auch in anderen Städten umsetzen. Nach Möglichkeit wollen wir auch dort Sportlern die Möglichkeit geben, sich unter Corona-Bedingungen mit anderen im Laufen zu messen.“

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