Viel Lob und ein Missgeschick beim Swissalpine Davos

| Text: Redaktion laufen.de | Fotos: Veranstalter

Über einen umjubelten Zieleinlauf durften sich nach Wochen der erzwungenen Wettkampfpause die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Swissalpine am vergangenen Wochenende freuen. Bei einer der weltweit ersten größeren Laufveranstaltungen seit Monaten, gingen insgesamt rund 1700 Läuferinnen und Läufer, verteilt auf vier Wettbewerbe und zwei Tage, an den Start, um auf faszinierenden Trails in den schweizerischen Hochalpen ihre Form unter Beweis zu stellen.

Ein faktischer und ein moralischer Sieger

67 Kilometer Distanz, 2606 Meter Höhendifferenz, vier Pässe, ein Panoramatrail und acht Täler mit Start und Ziel in Davos gehörten zum neuen Königslauf, der am Samstag beim 35. Swissalpine erstmals ausgetragen wurde. Am schnellsten bewältigte der 27-jährige Italiener Riccardo Montani den Parcours. Er benötigte für die anspruchsvolle Strecke 6:12:28,2 Stunden. Montani setzte sich erst auf dem letzten flachen Kilometer durch. Lange hatte der gebürtige Thurgauer Raphael Sprenger das Rennen angeführt, doch im Finale verfügte der Italiener über die größeren Kraftreserven. „Ich hörte, wie das Publikum auf den letzten Kilometern den Führenden anfeuerte, und dann sah ich ihn auch vor mir. Das hat mir dann einen Energieschub verliehen“, sagte Montani anschließend. Sprenger  verlor nach mehr als sechsstündigem Kampf bis ins Ziel noch 16,4 Sekunden. „Montani war am Schluss einfach stärker“, bemerkte er sportlich.

Wenks langer Umweg

Frust herrschte hingegen im Zielraum beim drittplatzierten Stephan Wenk. Der Favorit hatte das Rennen auf dem Scalettapass nach rund 18 Kilometern gemeinsam mit dem Amerikaner T-Roy Brown deutlich angeführt. Danach verpassten die Beiden jedoch die Abzweigung auf den Panoramatrail; stattdessen liefen sie talwärts. Bis dahin waren sie so schnell unterwegs, dass der Wettkampfparcours vom Streckenposten noch nicht ausgesteckt gewesen war. Beide bemerkten das Mischgeschick erst viel später und Wenk schätzte den Umweg am Ziel auf rund 20 Minuten ein.

Gleichwohl schloss er bis zur Fanezzfurgga wieder zur Spitze auf, während Brown frustriert aufgab. Wegen der zusätzlichen Anstrengung fehlte Wenk im Kampf um den Tagessieg auf den letzten zehn Kilometern dann jedoch die Kraft. Bis ins Ziel büßte er noch mehr als acht Minuten ein. Die Rennleitung fasste ein salomonisches Urteil: Sie beließ Wenk auf Platz 3, erklärte ihn jedoch zum moralischen Sieger und ließ ihm wie Montani die gleiche Siegprämie von 2000 Franken zukommen. Viel Lob zollten die rund 600 K68-Starter der Streckenführung des neuen Königslaufs.

Vasinova kam spät, lief schnell und siegte überlegen

Bei den Frauen dominierte die seit vier Jahren in Salzburg (Österreich) lebende Tschechin Marcela Vasinova den K68. Die 31-Jährige hatte sich erst am Dienstag für den Start entschieden, „weil ich wegen der unsicheren Corona-Situation nicht unnötig Startgeld ausgeben wollte.“ Vasinova benötigte für die 68 Kilometer 6:59:12,1 Stunden. Sie sprach im Ziel von einem „sehr harten“ und für sie „sehr langen Lauf.“ „Ich bin es eigentlich etwas kürzer, dafür steiler gewohnt“, erklärte sie anschließend. Der zweitplatzierten Kathrin Götz knüpfte Vasinova gut 20 Minuten ab. Als Dritte erreichte die Vorjahressiegerin Luzia Bühler das Ziel. Damals war der Königslauf (T88) allerdings knapp 20 Kilometer länger. Bereits früh aufgeben musste die siebenfache Swissalpine-Siegerin Jasmin Nunige aus Davos aufgrund starker Hüftschmerzen.

Gelungene Revanche von Rüesch

Den K23-Wettbewerb von Klosters nach Davos über rund 23 Kilometer mit 634 Höhenmetern Steigung und 235 Metern Gefälle gewann der Spitzenlangläufer Jason Rüesch in 1:31:00,1 Stunden fast zwei Minuten vor dem Liechtensteiner Arnold Aemisegger. Vor einem Jahr hatte der Einlauf in diesem Wettbewerb noch umgekehrt gelautet. Rüesch setzte sich nach dem Kulminationspunkt während der Abwärtstrecke zum Davosersee entscheidend von seinem letzten Konkurrenten ab. „Ich wusste, dass ich im Aufstieg dranbleiben musste. Anschließend attackierte ich, worauf sich rasch ein Loch öffnete“, erklärte Rüesch. Lange hatte im Aufstieg auch der drittplatzierte Donnino Anderhalden mit den beiden Ersten mithalten können.

Bei den Frauen siegte Shelly Schenk in 1:47:36,3 Stunden 45 Sekunden vor der Österreicherin Lena Laukner und gut zwei Minuten vor Marketa Maly (Walchwil).

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