BMW Berlin-Marathon 2026
Christine Hüttges: Mit Lockerheit unter die Drei-Stunden-Marke

| von Christian Ermert

Christine Hüttges hat eine Marathon-Bestzeit von 3:00:02 Stunden. Aus Unachtsamkeit verpasste sie die magische Marke. Das soll ihr Ende September in Berlin nicht passieren.

Christine Hüttges fehlten drei Sekunden. Beim Rhein-Ruhr-Marathon in Duisburg blieb die Uhr für sie bei 3:00:02 Stunden stehen. „Das war schon mega ärgerlich, vor allem, weil ich einfach nicht aufgepasst habe“, sagt Christine und lacht dabei.

Jetzt will sie es noch einmal wissen. Sie startet am 27. September beim BMW Berlin-Marathon – und will dort eine Grenze durchbrechen, von der sie vor wenigen Jahren nicht einmal wusste, dass sie für sie erreichbar sein könnte.

Die 35 Jahre alte Unternehmerin ist alles andere als eine verbissene Leistungsläuferin. „Ehrgeizig bin ich schon, aber nicht um jeden Preis“, sagt sie. „Das Training muss in mein Leben, in meinen Alltag passen – nicht umgekehrt.“ Christine führt das Familienunternehmen Hüttges Transport-Service, ein Logistik-Dienstleister mit über 50 Angestellten.

Dass ihr im Mai beim Marathon in Duisburg am Ende drei Sekunden bis zu ihrem großen Ziel fehlten, hat für Christine auch was Gutes. „Die Trainings-Motivation für den Berlin-Marathon war die letzten Wochen und Monate sehr hoch, vielleicht wäre ich sonst nicht so konsequent gewesen.“

„Ehrgeizig bin ich schon, aber nicht um jeden Preis. Das Training muss in mein Leben, in meinen Alltag passen – nicht umgekehrt."

Eigentlich war Christine Hüttges schon für den Marathon in Köln angemeldet, um dort die 3 Stunden zu knacken. Dann aber gewann sie den Startplatz für Berlin über Schneider Electric, die seit diesem Jahr offizieller Sustainability-Partner des Marathons sind. „Da musste ich nicht lange überlegen. Berlin ist eine schnelle Strecke, hat eine großartige Stimmung und viele aus meinem Verein vom LV Marathon Kleve sind auch am Start“, sagt sie. „Ich bin dankbar, dass Schneider Electric mir das ermöglicht – jetzt muss ich nur noch abliefern.“

Es passt zu Christine Hüttges, dass selbst eines ihrer ambitioniertesten sportlichen Ziele nicht nach verbissenem Leistungssport klingt. Natürlich will sie unter drei Stunden laufen. Natürlich trainiert sie dafür hart. Um die 100 Kilometer passen in manchen Wochen in ihren Kalender. Intervalle, Tempoläufe, lange Läufe. „Wenn du mir sagst, Christine, du sollst nächste Woche 120 Kilometer laufen – die kriege ich da eingebaut. Ist mir komplett egal wie.“

Aber genauso vehement verteidigt sie die andere Seite des Trainings. „Laufen muss immer mein Heiligtum bleiben können. Ich möchte nicht, dass ich irgendwann sage: Ich muss jetzt aber meine 30 Kilometer in der und der Pace laufen.“

Von fünf Kilometern zum Marathon

Dass sie einmal über eine Drei-Stunden-Marke beim Marathon sprechen würde, war alles andere als geplant. Sport spielte in ihrer Familie zwar früh eine Rolle. Ihre Mutter war Leichtathletin. Christine selbst probierte als Jugendliche vieles aus: Reiten, Ballett, Tanzgarde. Dazu kam Musik, Klarinette und „Jugend musiziert“. Vor allem aber wurde ihr früh vermittelt, dass einem Erfolg nicht in den Schoß fällt. „Dass man für irgendwas üben muss, das haben wir recht früh in die Wiege gelegt bekommen.“

Zum Laufen fand sie trotzdem erst viel später – aus einem sehr pragmatischen Grund. 2018 zog sie nach Hamburg. Ihre Arbeit im Familienunternehmen wollte sie weiterführen und saß deshalb viel im Homeoffice. Neue Stadt, neue Menschen, wenig Bewegung. Also schrieb sie in eine Facebook-Gruppe, dass sie Leute zum gemeinsamen Laufen suche.

Wenn du mir sagst, Christine, du sollst nächste Woche 120 Kilometer laufen – die kriege ich da eingebaut. Ist mir komplett egal wie."

„Ich habe mir gesagt, dass ich irgendwie Leute kennenlernen und mich bewegen muss. So fing das damals mit dem Laufen an.“ Aus fünf Kilometern wurden zehn. Irgendwann lief sie am Wochenende einfach einen Halbmarathon. Ohne Trainingsplan, ohne große Ambitionen, ohne Vorstellung davon, ob das schnell oder langsam war.

2020 wollte sie erstmals einen Halbmarathon laufen, Corona verhinderte das zunächst. Bei einer Hamburger Laufserie bekam sie dann langsam eine Ahnung davon, dass in ihren Beinen mehr stecken könnte. Erst wurde sie Fünfte. Dann Dritte. In der Gesamtwertung schließlich Zweite. „Da habe ich gemerkt, dass ich wohl etwas Talent mitbringe.“

Ihren ersten Köln-Marathon lief Christine in 3:19 Stunden, später standen 3:08 Stunden auf der Uhr – und schließlich folgten im Frühjahr 2026 jene 3:00:02 Stunden in Duisburg.

Die Unternehmerin, die beim Laufen keine Entscheidungen treffen will

Dass Christine Hüttges ein Marathon-Training in dieser Größenordnung in ihren Alltag unterbringen kann, ist bemerkenswert. Sie führt ein mittelständisches Familienunternehmen – der Sport ist Nebensache.

Als sie 16 Jahre alt war, starb ihr Vater plötzlich, sodass sie bereits mit 18 Jahren erste Verantwortung in der Firma übernahm. Nach ihrem Studium im Jahr 2015 stieg sie dann operativ komplett ein. Sie durchlief erst alle Abteilungen, fuhr mit Lkw-Fahrern morgens um drei Uhr auf Tour, arbeitete in der Disposition, in der Buchhaltung und in der niederländischen Niederlassung. Heute leitet sie das Unternehmen als Geschäftsführerin.

„Der Gedanke vom Unternehmertum hat mich immer gereizt. Mein Vater wollte eigentlich was anderes für mich. Der hat mich beim Fernsehen oder auf irgendeiner Bühne gesehen. Aber die Möglichkeiten, dass du selber entscheiden kannst, was aus deinem Unternehmen wird, finde ich spannend.“

„Ich trinke auch mal ein, zwei Aperol vor dem Marathon. Da unterscheide ich mich halt von Leistungssportlerinnen – ich mache das alles aus Spaß.“

Entscheidungen trifft sie beruflich genug. Vielleicht erklärt das, warum sie ausgerechnet beim Training gerne Verantwortung abgibt. Einer ihrer Trainer ist über 80 Jahre alt. Einer der alten Schule, wie Hüttges erzählt. Sein Training und seine jahrelange Erfahrung zahlen sich aber aus! Sie vertraut ihm voll und ganz. Auch wenn es manchmal Konfliktpotenzial gibt.

Zum Beispiel, wenn Christine einen langen Lauf mit Freunden deutlich schneller absolviert, als der Trainer vorgesehen hat. Am Tag vor einem Marathon „ein, zwei Aperol“ zu trinken, stößt ebenfalls bei Vielen auf Unverständnis. „Aber da unterscheide ich mich halt von Leistungssportlerinnen – ich mache das alles aus Spaß.“

Zwischen 100 Kilometern und Körpergefühl

Der Umgang mit der eigenen Leistung zieht sich durch ihr Training. Christine Hüttges läuft viel, aber sie möchte keine „Knechtin ihrer Uhr“ werden. Sie trainiert stark nach Körpergefühl und versucht gleichzeitig, ihrem eigenen Perfektionismus Grenzen zu setzen. „Sich permanent zu verbessern und zu optimieren kann ja auch schnell krankhaft werden.“

Ihr persönlicher Nachhaltigkeitsbegriff beginnt deshalb beim eigenen Körper. „Für mich heißt Nachhaltigkeit: Ich möchte auch in 50 Jahren noch laufen können.“

Das ist ein bemerkenswerter Satz für jemanden, der problemlos 100 Kilometer in eine Arbeitswoche integriert und notfalls morgens um fünf Uhr aufsteht, um alles unterzubringen. Aber Christine Hüttges macht sich eben auch viele Gedanken, um den Umgang mit Ressourcen. Als Läuferin wie auch als Unternehmerin.

Sie trackt ihr Training und schaut vor allem auf ihre Regeneration. „Ich möchte auf meinen Körper hören, die digitalen Helfer nutze ich, um meinen Körper noch besser zu verstehen.“  

Bei allem Ehrgeiz ist ihr eines heilig: „Laufen ist für mich das Wichtigste, um abzuschalten.“ Besonders die langen Läufe macht sie deshalb am liebsten allein. Drei Stunden ohne Musik, ohne Gesprächspartner, nur mit ihren Gedanken.

„Diese drei Stunden brauche ich, um meine Woche zu verarbeiten. Da möchte ich keinen hören. Da komme ich auf die geilsten Ideen, da gehe ich Gespräche noch mal durch.“

Das Smartphone nimmt sie trotzdem mit, um ihre Ideen als Notizen draufzusprechen. „Hinterher wundere ich mich manchmal selbst, was ich bei diesen Läufen alles verarbeite“, lacht Christine Hüttges.

Leistung ja – Verbissenheit nein

Überhaupt lacht sie viel. Ist gerne mit Menschen im Austausch. Kommunikation ist ihre Leidenschaft. Vielleicht versteht man Christine Hüttges am besten, wenn man sie sich bei einem Wettkampf vorstellt.

Beim Marathon in Duisburg lief sie mit dem Pacemaker für die Drei-Stunden-Marke. Eigentlich eine ideale Konstellation: konzentrieren, Gruppe halten, Kräfte sparen.

Nur hat Christine Hüttges manchmal „Schwierigkeiten“ damit, 42 Kilometer einfach schweigend hinter einer Fahne herzulaufen. Sie unterhielt sich anregend mit dem Pacemaker. „Irgendwann fragte er mich, ob ich nicht auch mal außer Atem komme,“ erzählt Christine, „er war sehr diplomatisch.“

Andere in der Gruppe waren weniger begeistert von ihrer Gesprächigkeit. „Aber wenn wir keinen Spaß haben, dann ist das nicht mein Vibe.“ Genau diese Haltung will sie sich bewahren.

Das bedeutet nicht, dass sie Berlin auf die leichte Schulter nimmt. Im Gegenteil. Aus Duisburg hat sie gelernt. Dort bekam sie das erste Gel nicht wie geplant bei Kilometer fünf, sondern erst deutlich zu spät.

Für Berlin gibt es deshalb eine klare Ansage an sich selbst: „Ab Kilometer fünf werde ich mir regelmäßig Gels reinschrauben. Komme, was wolle.“

Auch die Uhr soll diesmal sinnvoller eingestellt sein. In Duisburg ließ sie sich lediglich die Pace pro Kilometer anzeigen. Dadurch hatte ich die Zeit nicht im Blick. „Es war also durchaus noch Luft nach oben“, lacht Christine.

In Berlin wird sie sich an der Drei-Stunden-Gruppe festbeißen. Ihre Mutter, „meine größte Supporterin“, kommt mit nach Berlin, auch aus ihrem Verein sind viele Läuferinnen und Läufer dabei.

Nachhaltigkeit zwischen Anspruch und Realität

Dass sie ihren Startplatz über Schneider Electric erhalten hat, passt in mehrfacher Hinsicht zu ihrer Geschichte. Das Unternehmen engagiert sich als Nachhaltigkeitspartner des BMW Berlin-Marathon.

Mit Nachhaltigkeit beschäftigt sich Christine Hüttges nicht erst wegen des Marathons. In einem Logistikunternehmen ist das Thema komplex. „Ich beschäftige mich aktuell unter anderem mit der Anschaffung von Elektro-Lkw, die technisch für einen Teil ihrer Strecken schon funktionieren könnten, gleichzeitig mit Ladeinfrastruktur, Stromnetzen und anderen notwendigen Investitionen.“

„Ich muss immer schauen, welche Ressource mir wichtig ist? Mein Privatleben soll nicht darunter leiden. Und mein Körper auch nicht.“

Noch rechnet sich die Anschaffung eines E-LKW nicht, „Aber das wird sich ändern und dann können wir schneller handeln.“ Das Thema Nachhaltigkeit ist für sie aber nicht nur eine einzelne Antriebstechnologie. Christine Hüttges muss die gesamte Kette im Blick haben. Die eigene Lkw-Flotte wird vergleichsweise jung gehalten, im Unternehmen werden immer mehr Prozesse digitalisiert und Softwarelösungen eingeführt, um Abläufe effizienter zu machen.

Das passt zu einem Satz ihres Vaters, der sie bis heute begleitet: „Stillstand ist Rückschritt.“ Das gilt nicht nur für ihre Firma. Auch fürs Laufen.

„Ich muss immer schauen, welche Ressource mir wichtig ist? Mein Privatleben soll nicht darunter leiden. Und mein Körper auch nicht.“

Der Berlin-Marathon und die 2:59 Stunden

Am Ende geht es um drei Sekunden. Wer Christine Hüttges zuhört, bekommt nicht den Eindruck, dass mit einer 2:59 Stunden in Berlin plötzlich alles erledigt wäre. Sie träumt längst von anderen Rennen. New York und Rotterdam, wo ihr Unternehmen eine Niederlassung hat, stehen auf der Bucket-List. Ihr wichtigstes Auswahlkriterium ist dann nicht mehr die schnellste Strecke.

Aber vorher kommt der BMW Berlin-Marathon am 27. September. 42,195 Kilometer durch die Hauptstadt. Und Christine Hüttges im Schlepptau eines Pacemakers mit einer Drei-Stunden-Fahne. „Ich werde dieses Mal ganz sicher etwas weniger quatschen“, lacht sie. Und wenn es nicht klappt, ist das kein Drama. „Hauptsache, ich habe eine gute Zeit beim Laufen.“

Über Schneider Electric

Schneider Electric ist ein global führendes Unternehmen im Bereich Energietechnologie. Durch die Verbindung von Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung treibt das Unternehmen Effizienz und Nachhaltigkeit in Industrie, Unternehmen und Gebäuden voran. Die Technologien ermöglichen es, Rechenzentren, Fabriken und Infrastrukturen als offene, vernetzte Ökosysteme zu betreiben. Dadurch verbessern sich Leistungsfähigkeit, Ausfallsicherheit und Nachhaltigkeit.

Das Portfolio umfasst intelligente Produkte, softwaredefinierte Architekturen, KI-gestützte Systeme, digitale Services sowie umfassende Beratungsleistungen. Mit weltweit über 160.000 Menschen im Team und rund einer Million Partnern in mehr als 100 Ländern wurde Schneider Electric mehrfach als nachhaltigstes Unternehmen der Welt ausgezeichnet.

Die Community der #SEGreenRunners (Foto unten) ist eine offene Gemeinschaft für Menschen, an allen Orten und in jedem Tempo. Man trifft sich zum Laufen, setzt sich für persönliches Wohlbefinden, nachhaltige Bildung und gemeinschaftliches Engagement ein. Durch das gemeinsame Ziel vereint, ist es das Ziel, auf eine effizientere Zukunft hinzuarbeiten.