Die Wahl zu den Läuferinnen und Läufern des Jahres geht in die nächste Runde: Erstmals suchen wir die Besten der Besten zusammen mit dem Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) und German Road Races, der Vereinigung der großen Laufveranstaltungen im deutschsprachigen Raum.
Nachdem die Laufsaison mit dem Frankfurt- und dem New York-Marathon weitgehend abgeschlossen ist, hat die Redaktion von laufen.de gemeinsam mit dem GRR-Vorstand und den DLV-Verantwortlichen fürs Laufen in vier Kategorien insgesamt 28 Athletinnen und Athleten nominiert, die wir für preiswürdig halten.
Die Bandbreite der Nominierten ist dabei groß: Sie laufen zwischen 800 Metern und 42,195 Kilometern. Sie sind Europameister, Deutsche Meister, Deutschlands Schnellste. Oder haben eine besondere Leistung erbracht, die sich nicht allein in einer Platzierung oder in Stunden, Minuten, Sekunden beschreiben lässt. Alle haben auf ihre Art und Weise in diesem Jahr beeindruckt. Wichtig dabei: Für die Bewertung zählt nicht allein das Kalenderjahr 2022, sondern der Zeitraum seit der letzten Vergabe der Preise Ende November 2021.
Daneben vergeben wir in diesem Jahr zum ersten Mal gemeinsam mit DATEV den #gemeinsammehrbewegen-Preis. In dieser Kategorie wird eine Aktion der Laufszene ausgezeichnet, die in Sachen Nachhaltigkeit, Diversität, Integration, soziales Engagement oder Umweltschutz am meisten überzeugt hat. Hier lernst du die Kandidaten und Kandidatinnen mit ihren Initiativen kennen und kannst abstimmen, wer den #gemeinsammehrbewegen-Preis 2022 erhalten soll.
Und jetzt bist du zusammen mit der laufen.de-Community dran: Ihr stimmt ab, wer die Preise 2022 erhalten wird. Begleitet wird die Wahl von einem Votum unter den fast 100 Laufveranstaltern, deren Events unter dem Dach von German Road Races stattfinden. Nach Auswertung der beiden Abstimmungen steht dann fest, wer die Läuferinnen und Läufer des Jahres sind. Die Sieger und Siegerinnen werden am 2. Dezember bei unserer großen Laufgala in Trier verkündet und ausgezeichnet.
Und das kannst du gewinnen!
Du hast Lust mitzumachen und willst die Chance wahren, mit deiner Stimmabgabe einen von unseren Top-Preisen zu gewinnen? Dann log dich weiter unten ein, wähle deine Favoritinnen und Favoriten und hol dir mit Glück einen von diesen Preisen:
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Aktion beendet
Die Wahl ist abgeschlossen. Wer die Läuferinnen und Läufer des Jahres sind, verkünden wir auf der großen Lauf-Gala in Trier, die wir am 2. Dezember gemeinsam mit dem Deutschen Leichtathletik-Verband und German Road Races, dem Verbund der großen Laufveranstaltungen im deutschsprachigen Raum, veranstalten. Das Event kannst du hier auf laufen.de im Livestream verfolgen.
Läuferin des Jahres
Diese Athletinnen sind nominiert
Großer Kampf bei der EM
Miriam Dattke
Ihr großer Kampf um Marathon-Bronze gehört zu den Bildern, die von der Münchner Leichtathletik-EM in den Köpfen bleiben werden. Auch wenn es am Ende in 2:28:52 Stunden Rang vier statt Bronze wurde – Miriam Dattke legte den Grundstein fürs Teamgold, das die von ihr angeführte deutsche Mannschaft gewann.
„Ich bin sehr glücklich, auch wenn ich die Einzelmedaille so knapp verpasst habe. Mehr ging am Ende nicht, wir konnten ja beide nicht mehr – das war wie zwei LKWs auf der Autobahn“, beschrieb Miriam Dattke ihren Kampf mit der Niederländerin Nienke Brinkmann auf der langen Zielgerade Richtung Odeonsplatz. Zwei Kilometer vor dem Ziel hatten die beiden zu den vier Läuferinnen gehört, die noch im Rennen um die Medaillen waren. Doch dann setzte sich Aleksandra Lisowska aus Polen entscheidend ab. Hinter der zeitplatzierten Kroatin Matea Parlov Kostro kam Miriam Dattke angefeuert von den Zuschauern noch einmal ganz dicht an die Niederländerin heran, doch es reichte am Ende nicht ganz. Nienke Brinkmann wurde mit der gleichen Zeit wie Dattke Dritte. Dennoch: 2022 ist das Jahr, in dem Miriam Dattke von der Hoffnung zur Marathonläuferin wurde. Im Frühjahr 2021 war ihr geplantes Marathon-Debüt in Dresden noch verletzungsbedingt ausgefallen. Dann kam sie in Valencia im Dezember 2021 aufgrund von Magenproblemen nicht ins Ziel. Im Februar 2022 lief sie schließlich in Sevilla 2:26:45 Stunden und ist damit die schnellste deutsche Marathonläuferin im Jahr 2022. Und mit erst 24 Jahren gehört ihr die Zukunft, nachdem sie in ihrem zweiten gefinishten Marathon überhaupt gleich mal die Nummer vier in Europa war.
Zwei große Siege
Laura Hottenrott
Ihr Traum von der WM in Eugene platzte nach einer Corona-Infektion. Doch mit den Siegen beim Jungfrau-Marathon und der Deutschen Meisterschaft im Halbmarathon im September wurde 2022 doch noch ein gutes Jahr für die Läuferin vom PSV Grün-Weiß Kassel.
Wenn man auf die reinen Zahlen bei den klassischen Straßendistanzen blickt, hatte Laura Hottenrott im Vergleich zu Läuferinnen wie den Team-Europameisterinnen Kristina Hendel sowie Rabea und Deborah Schöneborn gar nicht mal eine so großartige Saison. Die 30-Jährige hatte sich bereits 2021 mit ihrer Marathon-Bestzeit von 2:28:02 Stunden für die Weltmeisterschaften in Eugene qualifiziert. Im Frühjahr kam sie dann in Berlin mit 1:11:14 ihrer 2020 aufgestellten Halbmarathonbestzeit von 1:10:49 Stunden sehr nah. Danach lief sie keinen Marathon mehr, sondern konzentrierte sich auf die WM-Vorbereitung. Sie freute sich riesig auf Eugene. Schließlich sollte der WM-Start dort für sie etwas ganz Besonderes werden: Von 2012 bis 2014 hat sie an der Universität von Portland Biologie studiert und ist für das dortige Leichtathletik-Team gelaufen. Portland liegt genau wie Eugene im US-Bundesstaat Oregon und ist weniger als zwei Autostunde von der WM-Stadt entfernt. Dementsprechend groß war die Motivation für Laura Hottenrott, in Eugene eins ihrer besten Marathonrennen abzuliefern. Doch dann wurde sie Anfang Juli bei den Berglauf-Europameisterschaften auf La Palma von einer Corona-Infektion gebremst. Der Traum von der WM platzte. Umso bemerkenswerte, dass sie danach die Motivation hochhalten konnte und sich noch mal in die Top-Form brachte, mit der sie im September noch zwei große Triumphe feierte: Zunächst gewann sie in der Schweiz zum zweiten Mal nach 2021 den Jungfrau-Marathon. Das traditionsreiche Rennen führt über 42,195 Kilometer mit 1953 Höhenmetern vom 567 Meter hoch gelegenen Interlaken bis zum Eigergletscher auf 2320 Metern Höhe. Immer mit Blick auf Eiger, Mönch und Jungfrau, dem berühmten Dreigestirn der Alpen. Auf dem Mix aus asphaltierten Straßen, Wander- und Bergwegen setzte sich Laura Hottenrott mit 3:22:57 Stunden in einem spektakulären Finish gegen Esther Chesang aus Kenia durch. Zwei Wochen später wurde sie dann in Ulm mit 1:12:35 Stunden Deutsche Meisterin im Halbmarathon. Noch einmal zwei Wochen später triumphierte sie überlegen bei den Deutschen Meisterschaften im Berglauf am Königssee und verteidigte ihren 2021 gewonnen Titel.
Meisterin beim Debüt
Domenika Mayer
Deutsche Meisterin im ersten Marathon, den sie in 2:26:50 Stunden finishte. Zweitschnellste deutsche Marathonläuferin 2022 ist. Und in München wurde die Athletin von der LG Telis Finanz Regensburg dann bei ihrem zweiten Marathon Teameuropameisterin. Mehr geht kaum.
Zusammen mit ihrer Vereinskollegin Miriam Dattke ist Domenika Mayer die Aufsteigerin des Jahres unter Deutschlands Marathonläuferinnen. Im April gab sie in Hannover ihr Debüt über die 42,195 Kilometer. Und wurde auf Anhieb Deutsche Meisterin. Mit den dort erzielten 2:26:50 ist sie die Nummer zwei der deutschen Jahresbestenliste – hinter Miriam Dattke, die im Februar in Sevilla 2:26:45 lief. Auch bei den Europameisterschaften in München war sie zweitbeste Deutsche – auf Rang sechs in angesichts der dort herrschenden Wärme ganz starken 2:29:21 Stunden. Ihr Beitrag zum Team-Gold der deutschen Equipe kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Domenika Mayer arbeitet neben der Laufkarriere als Hauptkommissarin bei der bayerischen Polizei. Zusammen mit ihrem Ehemann und Trainer Christian hat die 31-Jährige zwei Töchter, die drei und vier Jahre alt sind. Und die sind manchmal auch in Trainingslagern dabei, die dann so etwas wie ein sportlicher Familienurlaub werden. „Es ist schön, wenn man ohne den Alltagsstress Training und Familienleben verknüpfen kann“, sagte die Athletin von der LG Telis Finanz Regensburg vor der EM in München. Das alles funktioniert nur dank eines perfekt abgestimmten Teamworks mit ihrem Mann und Trainer.
Ein Wahnsinnsjahr
Lea Meyer
In Eugene wurde die Hindernisläuferin vom ASV Köln zum Sinnbild für das schwache WM-Abschneiden der deutschen Leichtathleten, als sie in den Wassergraben stürzte. In München trumpfte Lea Meyer dann aber trotz zwischenzeitlicher Corona-Infektion mit EM-Silber sensationell groß auf.
Was war das für ein Jahr für die Kölner Hindernisläuferin, die erstmals 2021 mit ihrer Qualifikation für Olympia 2021 in Tokio einem breiteren Publikum aufgefallen war. Im Januar verstarb ihr Coach. Henning von Papen hatte die Lehramtsstudentin vom VfL Löningen zum ASV Köln geholt und sie in die nationale Spitze über 3000 Meter Hindernis geführt. Der Tod des langjährigen Bundestrainers, der daneben seit den 80er-Jahren beim ASV Köln leistungsstarke Laufgruppen geleitet hatte, riss eine eigentlich kaum zu schließende Lücke. Auch für Lea Meyer. Doch dann sprang mit Tobias Kofferschläger ein ehemaliger Hindernisläufer und erfahrener Coach als neuer Trainer ein und führte die 25-Jährige schon in der Hallensaison zur Deutschen Vizemeisterschaft über 3000 Meter bei den Titelkämpfen in Leipzig. In der Freiluftsaison rannte sie dann von Bestzeit zu Bestzeit, wurde in Berlin Deutsche Meisterin über 3000 Meter Hindernis und qualifizierte sich mit 9:25,61 Minuten für die EM in München und für die WM in Eugene. Dort wurde sie dann unfreiwillig zur Symbolfigur für das schlechte WM-Abschneiden des DLV-Teams, als sie im Vorlauf kopfüber in den Wassergraben stürzte. Doch weder das noch eine anschließende Corona-Infektion konnten ihren Leistungswillen schwächen, mit dem sie sich dann bei den Europameisterschaften in München um mehr als zehn Sekunden auf 9:15,35 Minuten verbesserte und sensationell EM-Silber holte. Wahnsinn.
Mit Kampfgeist zu Gold
Katharina Steinruck
Die Läuferin von Eintracht Frankfurt nahm im Frühjahr eine kurze Auszeit vom Marathon, stellte stattdessen jede Menge Bestzeiten auf kürzeren Strecken auf und konzentrierte sich auf den EM-Marathon in München. Dort trug sie mit ihrem Kampfgeist ganz viel zum deutschen Teamgold bei.
Katharina Steinruck ist im Frühling 2022 von Bestzeit zu Bestzeit gerannt: Ihre Bilanz beginnt mit einem Halbmarathon im französischen Lille, wo sie sich am 20. März auf 1:10:05 Stunden steigerte. Es folgte der Berliner Halbmarathon am 3. April mit 1:09:38 Stunden. Dann der Paderborner Osterlauf – 31:54 Minuten. Schneller war sie noch nie über zehn Kilometer auf der Straße. Zwischendurch noch ein Fünf-Kilometer-Rennen in Wien am 22. Mai: 15:30 Minuten. Auch Bestzeit. Und dann noch der 10.000-Meter-Europacup auf der Bahn Ende Mai im französischen Pace, bei dem sie in 32:03,88 Minuten als Dritte ins Ziel kam. Natürlich wieder Bestzeit. Bloß einen Marathon ist sie nicht mehr gelaufen, seit sie sich 2021 in Enschede mit 2:25:59 Stunden auf Rang sechs der ewigen deutschen Bestenliste vorgeschoben und bei Olympia als 31. gefinisht hatte. Die 42,195 Kilometer ging sie erst wieder bei den Europameisterschaften in München an. Als Teamleaderin hatte sie das Ziel vorgegeben: „Wir wollen mit der Mannschaft eine Medaille gewinnen.“ Und es kam dann ja noch besser: Zusammen mit Deborah Schöneborn (SCC Berlin/10./2:30:35), Kristina Hendel (LG Braunschweig/20./2:35:14), Rabea Schöneborn (SCC Berlin/12./2:30:36), Domenika Mayer und Miriam Dattke holte Katharina Steinruck im Team Gold. Ihr Beitrag war dabei groß, weil sie sich trotz Umknicken und Schmerzen ins Ziel quälte und in 2:32:41 Stunden 15. wurde.
Läufer des Jahres
Diese Athleten sind nominiert
Premiere mit Lust auf mehr
Sebastian Hendel
Beim Generali München Marathon gelang dem Ehemann von EM-Starterin Kristina Hendel ein sehr starkes Debüt über die 42,195 Kilometer: Als Vierter lief der 26-Jährige von der LG Braunschweig 2:10:37 Stunden und blieb dabei recht deutlich unter der angepeilten Zeit von 2:11 Stunden.
Mit dieser Zeit nimmt er im EM-Jahr 2022, in dem viele deutsche Topläufer sich auf den EM-Start in München konzentriert haben, Platz drei der deutschen Bestenliste ein – hinter Aufsteiger Haftom Welday und Europameister Richard Ringer. 2021 hätte Hendels Leistung Platz vier der deutschen Rangliste bedeutet. Der 26-Jährige lief in München die erste Hälfte in 1:05:40 Stunden und konnte dann auf dem zweiten Abschnitt noch zulegen. „Zwischen 14 und 20 Kilometer hatte ich einen Hänger, aber dann habe ich mich wieder gefangen Die letzten Kilometer waren natürlich ein Kampf“, sagte Sebastian Hendel, dessen Frau Kristina ihn auf dem Rad begleitet hatte. Sie gehörte bei der EM in München zum deutschen Marathon-Team, das die EM-Goldmedaille gewann. „Unser Traum ist, dass wir 2024 in Paris beide bei Olympia im Marathon starten“, sagte Sebastian Hendel, der sich mittelfristig zutraut, in Zeitbereiche von 2:08 Stunden vorzustoßen. Angesichts seiner starken 10.000-Meter-Bestezeit von 28:27,11 Minuten ist das nicht utopisch.
Auf Baumanns Spuren
Mohamed Mohumed
So schnell wie der Läufer von der LG Olympia Dortmund ist seit Lauflegende Dieter Baumann kein Deutscher mehr die 5000 Meter gelaufen. Anfang Mai legte er in San Juan Capistrano südlich von Los Angeles die zwölfeinhalb Stadionrunden in 13:03,18 Minuten zurück.
Dabei musste sich Mohamed Mohumed mit Olympiasieger Jakob Ingebrigtsen nur knapp dem aktuell besten Europäer über 1500 und 5000 Meter geschlagen geben. Er kam dem deutschen 5000-Meter-Olympiasieger Dieter Baumann so nah wie kein anderer Deutscher. Dessen 1997 in Zürich erzielten 12:54,70 Minuten sind seit über 25 Jahren deutscher Rekord. Wie gut Mohamed Mohumed in der ersten Saisonhälfte nach seinem Trainingslager in Form war, belegen auch die 28:13,83 Minuten über 10.000 Meter, die er im April im kalifornischen Stanford erzielte. Bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin präsentierte er sich dann noch in aussichtsreicher Form für die WM in Eugene und die EM in München, als er über 5000 Meter den Titel und über 1500 Meter die Bronzemedaille holte. Doch nachdem er bei der WM in Eugene trotz Unwohlsein und ohne aktuellen Corona-Test zum 5000-Meter-Vorlauf angetreten und ausgeschieden war, konnte er auch bei der EM in München und im restlichen Verlauf der Saison nicht mehr zeigen, was wirklich in ihm steckt.
Bewundernswerte Leistungen
Amanal Petros
Im Dezember 2021 verbesserte der Wattenscheider seinen eigenen deutschen Marathonrekord auf 2:06:27 Stunden. Bei den Europameisterschaften in München war er lange auf Goldkurs. Am Ende wurde er Vierter und holte Silber mit dem DLV-Team.
Lange sah es in München so aus als, würde der deutsche Rekordler auch Europameister. Doch wenige hundert Meter vor dem Ziel brach Amanal Petros ein und fiel noch auf den undankbaren vierten Rang zurück. In 2:10:39 Stunden trug er so seinen Teil zum deutschen Mannschaftssilber bei. So blieb die erneute Verbesserung seines deutschen Marathonrekords auf 2:06:27 Stunden im Dezember 2021 beim Valencia-Marathon für den 27-Jährigen das absolute Highlight im Auszeichnungszeitraum. Die Leistungen von Amanal Petros werden noch bewundernswerter, wenn man weiß, dass er seit Jahren in großer Sorge um seine Mutter und Schwestern lebt, die sich noch immer im äthiopischen Bürgerkriegsgebiet in der Region Tigray aufhalten. Er hat den Kontakt zu ihnen fast völlig verloren. „Manchmal trainiere ich härter als es mir guttut, um nachts schlafen zu können“, sagt der Ausnahmeläufer, der in Eritrea geboren wurde und nach seiner Flucht aus Äthiopien Deutscher wurde. Er hatte sich bereits 2020 mit 2:07:18 Stunden im spanischen Valencia den deutschen Rekord geholt, den zuvor Arne Gabius mit 2:08:33 Stunden gehalten hatte.
Meister mit Fleißkärtchen
Hendrik Pfeiffer
Mit insgesamt fünf gefinishten Marathons ist der Wattenscheider, der in Hannover 2022 Deutscher Meister wurde, der fleißigste Wettkämpfer unter den besten deutschen Marathonläufern. Bei der EM in München gewann er Teamsilber.
Für Hendrik Pfeiffer war irgendwie jeder Lauf über 42,195 Kilometer ein Erfolg. Im April gewann er den Hannover-Marathon und wurde dabei gleichzeitig Deutscher Meister. In 2:10:59 Stunden verpasste der 29-Jährige nur knapp seine Bestzeit, die er im Februar 2020 mit 2:10:18 Stunden in Sevilla aufgestellt hatte. Bei den Europameisterschaften in München lief er in 2:16:04 auf Rang 24 und gehörte zum DLV-Team, das Silber gewann. In Köln absolvierte er dann Anfang Oktober in 2:16:26 Stunden einen Trainingsmarathon. Damit bedankte er sich bei seinem langjährigen Wegefährten und Kumpel Tobias Blum, indem er ihn auf dem Weg zum Sieg bei seinem letzten Marathon vor dem Karriereende begleitete und ihm schließlich im Ziel den Vortritt ließ. Und Ende Oktober war er beim Mainova Frankfurt-Marathon in 2:11:28 Stunden auf Rang sieben bester Deutscher. Nur eine Woche später trat er in New York noch einmal an, wo er ursprünglich schnell laufen wollte, aber keine Aufnahme ins Elitefeld fand. So rannte er halt in Frankfurt auf Tempo und in New York eher touristisch, was aber immer noch mit 2:22:45 und Rang 16 endete und auch für so einen schnellen Mann ein tolles Erlebnis war.
Erster Europameister
Richard Ringer
Er sorgte für den goldenen Auftakt der Leichtathletik-Europameisterschaften in München: Richard Ringer vom LC Rehlingen stürmte mit einem sensationellen Schlussspurt zum EM-Titel. Damit stellte Deutschland erstmals einen Europameister im Marathon.
Der 33-jährige triumphierte am Odeonsplatz in München in 2:10:21 Stunden bei sehr warmem Wetter, indem er einen unfassbaren Endspurt hinlegte. Nach dem Rennen sagte er, mit diesem Spurt habe er dem Publikum etwas zurückgeben wollen. Mit dem deutschen Marathon-Team gewann er zudem Silber in der Mannschaftswertung. Die volle Konzentration auf den Marathon bei der Heim-EM hat sich gelohnt. Richard Ringer bestritt im Jahr 2022 grade mal zwei Wettkämpfe außer der EM. Über zehn Kilometer auf der Straße stellte er im April im spanischen Malaga mit 28:42 Minuten eine persönliche Bestzeit auf und im März finishte er den New Yorker Halbmarathon in 1:02:55 Stunden. Bei der EM war er super motiviert, durch das Team, aber auch weil er 2018 in Berlin schon einmal als Jahresschnellster ins EM-Rennen über 10.000 Meter gegangen und dann ausgestiegen war. „Das wollte ich wieder gutmachen und die einmalige Chance nutzen, vier Jahre danach wieder bei einer EM im eigenen Land starten zu dürfen.“ Gesagt. Getan.
Aufsteiger des Jahres
Haftom Welday
Der Mann vom Hamburger Laufladen e.V. ist der Marathon-Aufsteiger des Jahres. Beim BMW Berlin-Marathon verbesserte er sich von 2:13:47 Stunden, die er 2021 am Brandenburger Tor erzielt hatte, in seinem überhaupt erst zweiten Marathon auf 2:09:06 Stunden.
Damit war er nicht nur bester Deutscher in Berlin, sondern ordnete sich auch auf Rang sechs der ewigen deutschen Bestenliste ein. Der 32-Jährige floh 2014 aus der äthiopischen Krisenregion Tigray nach Deutschland, wo er in Pattensen nahe Hannover fürs Laufen entdeckt wurde. Er hatte nach seiner Flucht zunächst mit Billigschuhen aus dem Discounter angefangen zu laufen und dann sein Pensum kontinuierlich gesteigert. Für den 32-Jährigen ist das Laufen mehr als ein Sport: „Wenn ich laufen gehe, fühle ich mich frei. Das ist unbezahlbar für mich“, sagt er. Seit diesem Jahr kann er auch für Deutschland laufen. In der Woche vor dem Berlin-Marathon wurde er eingebürgert, sonntags drauf lief er überragend und erfüllte bereits die Norm für die Weltmeisterschaften 2023 in Budapest.
Nachwuchsläuferinnen des Jahres
Diese Athletinnen sind nominiert
Silber in Jerusalem
Jana Marie Becker
Jana Marie Becker (LG Wettenberg) zeigte bei den U18-Europameisterschaften in Jerusalem ein beeindruckendes 800-Meter-Rennen. Einzig die Norwegerin Malin Hoelsveen lag vor der Hessin, die in 2:09,52 Minuten zu Silber stürmte.
In Jerusalem überholte sie auf der zweiten Runde Konkurrentin um Konkurrentin, nachdem sie nach 400 Metern noch auf dem letzten Platz gelegen hatte. Ihre bislang schnellste Zeit lief sie in Dortmund mit 2:04,95 Minuten, womit sie in der Bestenliste der Erwachsenen mit erst 16 Jahren auf Rang zehn rangiert. Mit ihrer schnellen 400-Meter-Bestzeit von 54,76 Sekunden, die in Jerusalem auch auf der Stadionrunde für den Finaleinzug gereicht hätte, hat sie beste Entwicklungschancen über die 800 Meter. Auf der kürzesten Mittelstrecke wurde sie zwei Wochen nach der U18-EM in Ulm auch Deutsche Meisterin bei den unter 18-Jährigen. Jana Marie Becker ist von ihrer alten Schule in Grünberg bei Gießen bereits ins Sportinternat am Olympiastützpunkt Hessen gewechselt, das mit der Carl-von-Weinberg-Schule in Frankfurt kooperiert. Vorher wurde sie von ihrer Mutter dreimal pro Woche über fast 80 Kilometer nach Frankfurt zum Training und wieder zurückgefahren. Seit sie im Internat ist, kann sie Schule und das Training bei ihrem Coach Benjamin Stalf viel besser kombinieren.
Die Schnellste auf 3000 Metern
Sofia Benfares
In 9:18,01 ist Sofia Benfares (LC Rehlingen) 2022 die schnellste deutsche Nachwuchsläuferin über 3000 Meter. Bei der U20-WM im kolumbianischen Cali lief die mit 18 Jahren jüngste der drei Benfares-Schwestern über diese Strecke auf Rang 13.
Sie ist damit auf dem besten Weg, ihrer Schwester Sara zu folgen, die 2022 bei den Europameisterschaften in München als erste der drei Benfares-Schwestern den Sprung ins Nationalteam bei einem Leichtathletik-Großereignis schaffte. Ihr Vater war ein erfolgreicher Mittelstreckenläufer, der 15-mal für Frankreich startete und 1995 das WM-Halbfinale von Göteborg erreichte. Seine Bestzeit: 3:35,99 Minuten über 1.500 Meter. Ihre Mutter ist Deutsche und lief im Trikot des TSV Bayer Leverkusen die 1.500 Meter in 4:21,76 Minuten. Die beiden haben drei Töchter, die allesamt auf hohem Niveau laufen und bei ihrem Vater Samir Benfarès trainieren. Selma, Sara und Sofia Benfares haben die deutsche und die französische Staatsbürgerschaft. Sofia ist die Jüngste von ihnen und über fünf Kilometer auf der Straße mit den 16:24 Minuten, die sie schon im März im französischen Lille lief, die Nummer acht weltweit. Auch ihre Zehn-Kilometer-Bestzeit von 34:46 Minuten ist stark. Damit lief sie bei den Deutschen Meisterschaften der Frauen in Saarbrücken auf Rang 14.
Nummer zwei in Europa
Adia Budde
Die Läuferin vom TSV Altenholz ist Deutsche Meisterin bei der U18 über 2000 Meter Hindernis und über 3000 Meter. Bei der U18-EM in Jerusalem komplettierte sie mit Silber den deutschen Triumph auf der Hindernisstrecke.
Adia Budde erlebte im Juli zwei unfassbar erfolgreiche Wochen: Zunächst stürmte die 16 Jahre alte Schülerin aus Altenholz bei Kiel in Jerusalem hinter Jolanda Kollabis mit neuer Bestzeit von 6:28,09 Minuten auf Platz zwei über 2000 Meter Hindernis bei der U18-EM, zwei Wochen später holte sie dann die Titel über die Hindernisse und über 3000 Meter bei den Deutschen U18-Meisterschaften in Ulm mit 6:33,72 Minuten. Adia Budde trainiert bei Karsten Ralfs und sagt über ihre sportlichen Träume: „Das Wichtigste ist, dass ich mein Bestes gebe und dann gucke, was kommen kann.“
Auf vielen Strecken vorn dabei
Franziska Drexler
Franziska Drexler ist erst 16 Jahre alt und mischt schon in der U20 vorn mit, obwohl sie dort gegen Läuferinnen antritt, die bis zu drei Jahre älter sind. Über zehn Kilometer auf der Straße ist sie die Nummer zwei bei den deutschen Jugendlichen.
Schneller als ihre 34:41 Minuten, mit denen sie in Saarbrücken bei den Deutschen Straßenlaufmeisterschaften in der U18 gewann, sind nur die 34:19 von Johanna Pulte, die in dem gleichen Rennen den U20-Titel holte. Ein Saisonhöhepunkt war auch das 5000-Meter-Rennen um den DM-Titel bei der U20 im Mai in Pliezhausen: Auf den letzten fünf Runden lief die Athletin aus dem Rennstall von Kurt Ring bei der LG Telis Finanz Regensburg vornweg. Erst auf der Zielgeraden kam die zwei Jahre ältere Linda Meier an ihr vorbei und siegte mit nur einer Hundertstel Vorsprung in 17:15,83 vor Franziska Drexler, die für ihr couragiertes Auftreten mit Silber belohnt wurde.
Weltweit die Beste
Jolanda Kallabis
So schnell wie Jolanda Kallabis vom FT 1844 Freiburg ist weltweit noch nie eine unter 18-Jährige die 2000 Meter Hindernis gelaufen. Anfang September glänzte sie beim 21. SWT-Flutlichtmeeting in Trier mit 6:07,72 Minuten.
World Athletics führte vorher die 6:11,83 Minuten der Äthiopierin Korohubish als Weltbestleistung, erzielt bei den Jugend-Weltmeisterschaften 2009. Im Sommer hatte sich Jolanda Kallabis bereits in Jerusalem Gold bei den U18-Europameisterschaften geholt – in 6:20,22 Minuten. Das Hindernislaufen liegt bei ihr in den Genen: Ihr Vater Damian Kallabis hält seit 8:09,48 Minuten den deutschen Rekord über 3000 Meter Hindernis und war 1998 Europameister. Die Tochter tendiert dennoch zu den kürzeren Strecken. In der Halle wurde sie im Februar mit erst 17 Jahren deutsche Meisterin über 800 Meter – gegen die zumeist deutlich ältere Konkurrenz in der U20. Künftig will sie sich auch wieder vermehrt der Mittelstrecke widmen, wo ihre Bestzeit bei 2:04,65 Minuten steht. Damit ist die 16-Jährige achtschnellste unter allen Frauen in Deutschland. Trainiert wird sie von ihrer Mutter Nina Rosenplänter, die als studierte Sportwissenschaftlerin über große Erfahrung als Trainerin verfügt.
Das Comeback des Jahres
Johanna Pulte
Ende 2021 feierte Johanna Pulte den bislang größten Erfolg ihrer Karriere. Und weil ihre Goldmedaille mit dem deutschen U20-Team bei den Cross-Europameisterschaften in Dublin n die Zeit nach unserer Ehrung für 2021 fällt, zählt der Titel für 2022.
Nach dem Riesenerfolg im Cross holte die 19-Jährige Sauerländerin, die für die SG Wenden startet, im Februar noch Hallen-DM-Bronze über 3000 Meter. Doch dabei war sie in ihrer Vorbereitung schon im Verletzungspech. Danach wurde ruhig um sie. Wegen der Rückenproblemen, mit denen sie seit dem Frühjahr zu kämpfen hatte, verzichtete sie im Sommer auf Wettkämpfe. „Die Gesundheit ist wichtiger als irgendwelche Titel“, sagte ihr Trainer Egon Bröcher. Im September kehrte sie dann aber mit einem Paukenschlag ins Wettkampfgeschehen zurück: Bei den Deutschen Meisterschaften über zehn Kilometer auf der Straße holte sie den U20-Titel. Ihre neue persönliche Bestzeit von 34:19 Minuten reichten sogar bei den Erwachsenen für Platz sieben. Bei der U20 führt sie damit die Bestenliste an. Dabei verbindet Johanna Pulte ihre Laufleidenschaft mit ihrer Ausbildung zur Werkstoffprüferin, die sie in Attendorn absolviert. Wenn sie zur Berufsschule nach Hagen muss, ist sie hin und zurück vier Stunden unterwegs.
Im Schlumpfteam entdeckt
Kira Weis
Mit dem deutschen Meistertitel über 3000 Meter löste die 18-Jährige aus Gerlingen in der Nähe von Stuttgart mit 9:32,27 Minuten das Ticket für die U20-Weltmeisterschaften im kolumbianischen Cali.
In der 1000 Meter hoch gelegenen Stadt war sie dann über 5000 Meter in 16:57,63 auf Rang zwölf beste Deutsche und distanzierte wie schon bei den Deutschen Jugendmeisterschaften in Ulm mit Linda Meier ihre national stärkste Konkurrentin, die bei dem wichtigen 5000-Meter-Rennen im Mai in Karlsruhe mit 16:19,38 gegenüber 16:20,21 Minuten noch die Nase vorn hatte. Kira Weis ist auch in der Halle Deutsche Jugendmeisterin über 3000 Meter. Sie begann mit dem Laufen im „Schlumpflaufteam“ der KSG Gerlingen. Das Kinderlaufteam, in dem das Leichtathletiktraining durch spielerisches Lauftraining ergänzt wird, wurde vor zehn Jahren vom ehemaligen deutschen Spitzenläufer Ralph Sagasser gestartet, der bis heute Kira Weis trainiert.
Nachwuchsläufer des Jahres
Diese Athleten sind nominiert
Schnell auf langen Kanten
Constantin Carls
Der Läufer, der von der ehemaligen WM-Zweiten Brigitte Kraus beim ASV Köln entdeckt wurde, ist über 5000 Meter und 10.000 Meter dieses Jahr mit Abstand der schnellste deutsche Jugendliche auf den langen Bahndistanzen.
Constantin Carls wurde im Kölner Westen von keiner Geringeren entdeckt als von Brigitte Kraus. Die 3000-Meter-Vizeweltmeisterin von 1983 entwickelte das Talent des 18-Jährigen, der zunächst Hockey spielte. Seit 2014 macht er Leichtathletik beim ASV Köln und kam schnell in die Nachwuchslaufgruppe von Brigitte Kraus, die in den 70er- und 80er-Jahren dreimal Gold bei Hallen-Europameisterschaften gewann. 2022 gelang ihrem Schützling der Durchbruch: Er ist über 5000 Meter (14:22,13 min) und 10.000 Meter (29:59,04 min) mit Abstand der schnellste deutsche Jugendliche auf den langen Bahndistanzen. Allerdings erzielte er seine schnellsten Zeiten im Mai und September, dazwischen wurde er von Verletzungsproblemen gebremst, sodass die U20-Weltmeisterschaften in Cali ohne ihn stattfanden. Dieses Jahr ist er von Brigitte Kraus auf die andere Rheinseite in die Leverkusener Trainingsgruppe von Rene Giefen gewechselt und wird 2023 auch für den TSV Bayer 04 Leverkusen starten.
Nummer 1 auf 3000 Metern
Benjamin Dern
Der Junge aus dem Hunsrück, der für das LAZ Birkenfeld startete, ist 2022 der schnellste deutsche Jugendliche über 3000 Meter. Und über diese Distanz holte Benjamin Dern in Ulm auch den deutschen Meistertitel.
Seine Bestzeiten von 8:10,80 Minuten über 3000, von 3:49,20 Minuten über 1500 Meter und von 31:15 Minuten über zehn Kilometer auf der Straße deuten sein Potenzial an, zumal der 19-Jährige in der nächsten Saison für den Gesa Krause-Verein Silvesterlauf Trier starten wird. Daneben ist geplant, verstärkt auch mit Langstreckenhoffnung Samuel Fitwi von der LG Vulkaneifel zu trainieren, um Synergien in Eifel-Mosel-Region zu nutzen.
Allrounder als Titelverteidiger
Lukas Ehrle
Der „Nachwuchsläufer des Jahres“ 2021 bewies auch dieses Jahr sein Allroundtalent: Im Juli triumphierte der 17-Jährige bei der Berglauf-EM. Mitte September holte er sich dann den nationalen U20-Titel über zehn Kilometer auf der Straße.
In 30:34 Minuten rannte er in Saarbrücken auch auf Rang drei der deutschen U20-Bestenliste 2022. Und Ende 2021 war er noch in der U18 zu einem überlegenen Sieg bei den Deutschen Crossmeisterschaften gestürmt, nachdem er zuvor schon von German Road Races und laufen.de zum „Nachwuchsläufer des Jahres“ 2021 gekürt worden war. Damit würdigten die Juroren damals die Erfolge des Läufers aus dem Schwarzwald-Ort Villingen, der vom Berglaufspezialisten Timo Zeiler und trainiert wird. Er wurde 2021 deutscher U18-Meister über zehn Kilometer. Im Berglauf holte er sogar den Vizetitel bei den Männern, was er 2022 wiederholte und bei der U20 gewann. Überstrahlt wurde das indes von seinem U20-Europatitel im Berglauf. Auf der Kanareninsel La Palma lief er die 5,29 Kilometer lange Strecke, bei der 788 Höhenmeter bergauf zu bewältigen waren, schneller als alle anderen und triumphierte am Ende in 30:14 Minuten mit großem Vorsprung vor dem Spanier Jan Torrella (32:07 min). Das emotionalste Erlebnis war für Lukas Ehrle allerdings die Siegerehrung nach seinem Straßentriumph in Saarbrücken: Marathon-Europameister Richard Ringer hängte ihm die Goldmedaille um den Hals. „Das war für mich ein unvergessliches Erlebnis“, sagt er, „Richard Ringer ist eines meiner großen Vorbilder“.
Schnellster aller Zeiten
Tristan Kaufhold
Tristan Kaufhold vom SSC Hanau-Rodenbach ist über zehn Kilometer auf der Straße der schnellste unter 18-Jährige, den die deutsche Leichtathletik je hervorgebracht hat. Mit 30:19 Minuten stellte er eine neue deutsche U18-Bestleistung auf.
Bei den Deutschen Straßenlaufmeisterschaften in Saarbrücken zeigte der gerade mal 16-Jährige nicht nur der bis zu drei Jahre älteren Konkurrenz in der U20 die Hacken, sondern stellte mit 30:19 Minuten auch eine neue deutsche Bestleistung in der U18 auf. Damit war er auch schneller als Lukas Ehrle, der aber dennoch U20-Gold erhielt, während Tristan Kaufhold als Deutscher Meister der U18 ausgezeichnet wurde. Kurz zuvor war er auch über fünf Kilometer auf der Straße mit 14:38 Minuten eine Zeit gelaufen, die in der U18 noch von keinem deutschen Nachwuchsläufer erreicht wurde. Auf der Bahn hält der DDR-Läufer Hansjörg Kunze seit 1975 mit 14:20,2 Minuten den deutschen Rekord über 5000 Meter. Tristan Kaufhold knüpfte damit auf der Straße nahtlos an seine starken Saisonleistungen im Stadion an: Über 5000 Meter steigerte er sich auf 14:46:40 Minuten, womit er die Nummer vier bei den unter 20-Jährigen in Deutschland ist. Über 3000 Meter verbesserte er sich 2022 auf 8:24,03 Minuten. Über dieser Strecke wurde er in Ulm Deutscher Meister bei der U18 und qualifizierte sich so für die U18-EM in Jerusalem. Dort sammelte er dann mit damals noch 15 Jahren wertvolle Erfahrungen, obwohl er mit 8:41,25 Minuten nicht über den 18. Platz hinauskam. „Ich glaube, ich bin viel zu nervös gewesen“, meinte er danach selbstkritisch.
Hindernis-Bester weltweit
Kurt Lauer
Über die – zugegebenermaßen international eher selten gelaufenen – 2000 Meter Hindernis ist Kurt Lauer in diesem Jahr der schnellste Jugendliche weltweit. Mit seinen 5:39,46 Minuten führt der Athlet vom LAZ Ludwigsburg die Weltbestenliste an.
Nachdem er Anfang Mai in Pliezhausen in einem Spurtrennen bereits den DM-Titel über 5000 Meter gegen Constantin Carls geholt hatte, verbesserte sich der vielseitige Läufer aus dem schwäbischen Möglingen Ende Mai auf 8:51,70 Minuten über 3000 Meter Hindernis und löste über diese Distanz das Ticket für die U20-Weltmeisterschaften im kolumbianischen Cali. Dort schwanden ihm aber auf 1000 Metern Höhe im Vorlauf zu früh die Kräfte, und er schied in 9:31,73 Minuten aus. Dass er aber auch international das Potenzial zu mehr hat, zeigt vor allem seine Bestzeit über zehn Kilometer auf der Straße: In 30:28 Minuten ist der Hindernisspezialist hier der zweitschnellste deutsche Jugendliche 2022.
WM-Halbfinalist
Malik Skupin-Alfa
Malik Skupin-Alfa von der LG Offenburg war 2022 mit 1:48,97 Minuten der zweitschnellste deutsche 800-Meter-Läufer in der U20 und stieß bei den U20-Weltmeisterschaften im kolumbianischen Cali bis ins Halbfinale vor.
Der 18-Jährige kommt aus einer leichtathletikbegeisterten Familie. Sein Vater Marcus war 1991 in Hannover deutscher Vizemeister über 200 Meter. Seine Bestzeiten als Sprinter stehen bei 10,52 über 100 und 20,88 Sekunden über 200 Meter. Beide Marken hat Maliks fünf Jahre älterer Bruder Milo mit 10,23 und 20,88 Sekunden schon unterboten. Er gehörte 2021 in Tallin zur deutschen 4x100-Meter-Staffel, die bei der U23-EM Gold holte und in 38,70 Sekunden einen neuen Europarekord für unter 23-Jährige aufstellte. Und dann sind da ja auch noch ihre jüngeren Geschwister Magnus und Vanda. Der eine wurde dieses Jahr süddeutscher U16-Meister über 300 Meter Hürden, die andere war bei den Deutschen Jugendmeisterschaften über 800 Meter am Start.
Schweiz-Deutscher Meister
Elija Ziem
Der Mittelstreckler ist gleichzeitig Deutscher Meister über 800 Meter und Schweizer Champion über 400 Meter. Dank einer doppelte Staatsbürgerschaft startet er in Deutschland für den SC Neubrandenburg und in der Schweiz für die Old Boys Basel.
Und so holte er sich in Ulm Anfang Juli über 800 Meter den deutschen Titel vor Malik Skupin-Alfa und Anfang September in Genf die Schweizer Meisterschaft über 400 Meter. In Ulm stellte er dabei in 1:49,22 Minuten seine persönliche Bestzeit auf, in Genf blieb er mit 48,89 Sekunden unter der 49er-Barriere. International startet er allerdings nur für Deutschland. So war er im kolumbianischen Cali gemeinsam mit Malik Skupin-Alfa bei den U20-Weltmeisterschaften über 800 Meter am Start, nachdem er sich mit seinem DM-Sieg und dem Unterbieten der Norm von 1:50,00 Minuten in letzter Minute für den Höhepunkt qualifiziert hatte. In Kolumbien schied er dann mit 1:51,28 Minuten im Vorlauf aus.