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Wochen(end)-Rückblick
Robert Farken feiert WM-Gold, Almgren läuft in neuem Alphafly Europarekord

| von der Redaktion

Ein deutscher Sieg bei der WM in Kopenhagen und ein Schwede, der Halbmarathon-Gold holt. Was für ein Wochenende. Wir blicken aber auch auf Hannes Nambergers Top-Trailleistung beim UTMB zurück.

Robert Farken ist Straßenlauf-Weltmeister über die Meile, Andreas Almgren stürmt mit Europarekord zum Halbmarathon-Titel und Agnes Ngetich läuft eine neue „Women Only“-Bestzeit. Die Straßenlauf-WM in Kopenhagen lieferte am Wochenende jede Menge Weltklasse-Leistungen. Auch abseits der Titelkämpfe gab es bemerkenswerte Ergebnisse, wir blicken noch einmal zurück auf die Top-Leistung von Trailrunner Hannes Namberger beim UTMB – und mit dem Tod von Hans Grodotzki verlor der deutsche Laufsport eine seiner großen Persönlichkeiten.

Es war der perfekte Abschluss einer Saison mit einigen Höhen und Tiefen: Robert Farken hat bei den World Athletics Road Running Championships in Kopenhagen seinen ersten globalen Titel gewonnen. Der 29-Jährige setzte sich am Samstag über die Straßenmeile gegen hochkarätige Konkurrenz durch – und ließ dabei unter anderem seinen Trainingspartner Yared Nuguse hinter sich.

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Triumph über den Trainingspartner

Der US-Amerikaner, Olympia-Dritter über 1.500 Meter und Nordamerika-Rekordler über die Meile auf der Bahn, hatte vom Start weg die Initiative übernommen. Doch Farken ließ sich nicht abschütteln. Rund 100 Meter vor dem Ziel schloss der Leipziger zu Nuguse auf, zog vorbei und war anschließend nicht mehr zu halten. In 3:51,80 Minuten holte Farken Gold vor Nuguse (3:52,33) und dem Luxemburger Ruben Querinjean (3:52,77).

Die Leistung war auch unabhängig vom WM-Titel außergewöhnlich: Farkens 3:51,80 Minuten waren die weltweit schnellste Zeit des Jahres über die Straßenmeile und auf einem rekordkonformen Kurs die zweitschnellste jemals gelaufene. Einen Tag vor seinem 29. Geburtstag machte sich der Leipziger damit selbst das schönste Geschenk.

„Es ist überwältigend, hier die Goldmedaille gewonnen zu haben“, sagte Farken anschließend. Mit Gold habe er nicht gerechnet, von einer Medaille aber durchaus ein wenig geträumt. Dass er Nuguses Taktik so gut einschätzen konnte, war kein Zufall: Beide trainieren in Boulder in der Gruppe von Dathan Ritzenhein und wohnten in Kopenhagen sogar zusammen. Farken wusste also, dass Nuguse schnell beginnen würde – und war darauf vorbereitet.

Umso schöner war der Triumph nach einer Saison, die Farken selbst als „Achterbahn“ bezeichnete. Nach starken Auftritten im Sommer waren die EM in Birmingham und die Ultimate Championships in Budapest nicht ganz nach Wunsch verlaufen. Das letzte Freiluft-Rennen des Jahres wurde nun zum größten Erfolg seiner Karriere.

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Andreas Almgren läuft Halbmarathon in 58:06 Minuten

Einen weiteren europäischen Paukenschlag gab es am Sonntag im Halbmarathon. Andreas Almgren krönte sich in 58:06 Minuten zum Weltmeister und pulverisierte dabei seinen eigenen Europarekord. Der 31-jährige Schwede ist damit der erste europäische Halbmarathon-Weltmeister seit 30 Jahren. Zuletzt war dies 1996 dem Italiener Stefano Baldini gelungen.

Dass Almgren inzwischen auch mit den besten Straßenläufern aus Kenia, Äthiopien und Uganda mithalten kann, zeigte sich spätestens in der entscheidenden Phase. Eine elfköpfige Spitzengruppe hatte die Zehn-Kilometer-Marke nach 27:53 Minuten passiert. Bei Kilometer 15 waren mit Nicholas Kipkorir, Tadese Worku, Joshua Cheptegei und Almgren nur noch vier Athleten vorn.

Kipkorir verschärfte kurz vor Kilometer 20 nochmals das Tempo. Cheptegei musste abreißen, Almgren dagegen blieb dran – und ging rund 150 Meter vor dem Ziel vorbei. Bemerkenswert war vor allem das Tempo in der Schlussphase: Die letzten 1,0975 Kilometer absolvierte Almgren in 2:46 Minuten, den Abschnitt von Kilometer 16 bis 21 in 13:23 Minuten.

Im neuen Alphafly 4 von Nike zum Europarekord

Mit seinen 58:06 Minuten verbesserte der Schwede seinen bisherigen Europarekord um satte 35 Sekunden. Dazu beigetragen hat sicher auch der brandneue Carbonschuh, den der Schwede im Rennen trug. Er war mit der vierten Generation des Alphafly unterwegs, den Nike kurz vor der Straßenlauf-WM präsentiert hatte.

Der Schuh soll aber nicht nur Eliteathleten zu Top-Leistungen verhelfen. Es ist ein Halb- und Marathonschuh für alle Geschwindigkeiten. In unserem großen Laufschuhtest erfährst du alle Details zu dem Schuh von Andreas Almgren, der jetzt die kontinentalen Bestmarken über 5.000 Meter auf der Bahn, zehn Kilometer auf der Straße und im Halbmarathon hält. Kipkorir folgte in Kopenhagen in 58:11 Minuten auf Rang zwei, Cheptegei wurde in 58:26 Dritter. Insgesamt blieben fünf Läufer unter 59 Minuten.

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Europäischer Meilensieg auch bei den Frauen

Farken und Almgren waren aber nicht die einzigen europäischen Sieger in Kopenhagen. Bei den Frauen sorgte Agathe Guillemot über die Meile für eine Überraschung. Die Französin setzte sich in 4:22,74 Minuten gegen die favorisierte Äthiopierin Freweyni Hailu (4:24,35) durch. Bronze gewann die Kenianerin Mirriam Cherop in 4:25,71 Minuten.

Über fünf Kilometer verpasste dagegen einer der prominentesten europäischen Läufer den WM-Titel auf den letzten Metern. Jakob Ingebrigtsen hatte sich nach einem zunächst taktisch geprägten Rennen rund 200 Meter vor dem Ziel an Dawit Seare vorbeigeschoben und schien auf dem Weg zum Sieg zu sein. Doch der Norweger hatte seine Kräfte nicht optimal eingeteilt.

Ingebrigtsen wurde kurz vor dem Ziel deutlich langsamer. 50 Meter vor der Linie zog Seare noch einmal vorbei. Der Eritreer gewann in 12:56 Minuten mit drei Sekunden Vorsprung vor Ingebrigtsen. Beide stellten nationale Rekorde auf. Saymon Amanuel sorgte als Dritter in 13:00 Minuten für eine zweite Medaille Eritreas.

Bei den Frauen gab es über fünf Kilometer dagegen einen souveränen Sieg der Favoritin. Likina Amebaw bestimmte das Rennen über weite Strecken und verschärfte bei Kilometer vier entscheidend das Tempo. Die Äthiopierin gewann in 14:41 Minuten vor Caroline Gitonga aus Kenia (14:48) und der Australierin Rose Davies, die mit 14:50 einen Ozeanienrekord aufstellte. Beste Europäerin war die Spanierin Marta Garcia auf Rang sechs in 14:59 Minuten.

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Agnes Ngetich läuft „Women Only“-Bestzeit

Auch das Halbmarathonrennen der Frauen brachte eine Bestmarke. Agnes Ngetich machte von Beginn an deutlich, dass der Titel nur über sie führen würde. Schon nach fünf Kilometern hatte die Kenianerin zehn Sekunden Vorsprung auf eine elfköpfige Verfolgergruppe. Nach zehn Kilometern war die Lücke auf 26 Sekunden angewachsen.

Von da an ging es für die 25-Jährige vor allem noch gegen die Uhr. Nach 65:15 Minuten erreichte Ngetich das Ziel – und unterbot damit die bisherige Weltbestzeit für ein reines Frauenrennen um eine Sekunde. Peres Jepchirchir war 2020 bei der Halbmarathon-WM im polnischen Gdynia 65:16 Minuten gelaufen.

Ngetich gewann mit gewaltigem Vorsprung. Ihre kenianische Landsfrau Veronica Loleo folgte erst nach 66:05 Minuten, Dritte wurde Florence Niyonkuru aus Ruanda in 66:08. Als beste Europäerin belegte die Belgierin Chloé Herbiet in 68:44 Minuten Rang 19.

Tübinger Fünffachsieg und Boch gewinnt in Tschechien

Auch abseits der WM-Strecke in Kopenhagen waren am Wochenende zahlreiche deutsche Spitzenläuferinnen und -läufer unterwegs. Beim Erbe-Lauf in Tübingen gab es über zehn Kilometer gleich einen Fünffacherfolg der Lokalmatadorinnen von der LAV Stadtwerke Tübingen. Die EM-Neunte Lisa Merkel gewann in 33:20 Minuten knapp vor Hanna Klein, die nach 33:24 Minuten das Ziel erreichte. Eva Dieterich wurde in 33:48 Minuten Dritte. Bei den Männern ging der Sieg an Markus Görger von der LG Region Karlsruhe. Seine 30:20 Minuten reichten für Platz eins vor Nick Jäger (30:34) und Maximilian Berger (30:45).

Einen internationalen Sieg feierte Simon Boch. Der Läufer von Düsseldorf Athletics gewann am Samstag den Halbmarathon im tschechischen Usti Nad Labem in 66:33 Minuten.

Eine besondere Konstellation gab es zudem beim Edith-Lücke-Frauenlauf in Trier. Hindernis-Europameisterin Gesa Krause und Vanessa Mikitenko liefen über fünf Kilometer Seite an Seite an der Spitze. Beide starten für den Silvesterlauf Trier und erreichten gemeinsam nach 16:53 Minuten das Ziel.

Hannes Namberger läuft beim UTMB in eine neue Dimension

Noch einmal einen Blick zurück wert ist außerdem die Leistung von Hannes Namberger beim UTMB Ende August. Der deutsche Top-Ultraläufer belegte beim berühmten Rennen rund um den Mont Blanc über 174 Kilometer Rang sechs – und steigerte seine persönliche Bestzeit auf 19:13:51 Stunden. Damit blieb Namberger erstmals deutlich unter der 20-Stunden-Marke.

Im Vergleich zu seinem vierten Platz 2024 war Namberger rund 75 Minuten schneller. Doch auch die internationale Spitze hat beim UTMB einen gewaltigen Leistungssprung vollzogen: 2026 blieb die komplette Top Ten unter 20 Stunden. Namberger selbst sieht dafür mehrere Ursachen. Höheres Grundtempo, Schuhe, Ernährung und eine immer ausgefeiltere Trainingssteuerung würden den Sport weiter beschleunigen. „Der UTMB 2026 hat gezeigt, dass sich unser Sport zu einer ganz anderen Liga entwickelt hat“, sagt der 37-Jährige. „In Chamonix herrscht keine Vernunft“, sagt er er über das Rennen mit 174 Kilometern und fast 10.000 Höhenmetern im Aufstieg, das von Chamonix aus einmal um das Massiv des Mont Blanc führt. „Von 50, die starten schaffen es hier nur zehn ins Ziel. Es ist erinnert fast an einen Überlebenskampf, weil alle über ihr Limit gehen.“

Hannes Nambergers Erfolgsrezept war auch 2026, dass er bei aller Unvernunft der Ratio eine letzte Chance lässt: „Als ich mit drei Minuten Rückstand auf die Spitze unterwegs war, habe ich gemerkt, ich kann da nicht mitspielen.“ Fortan lief er unterstützt vom pushenden Sound auf den Open-Ear-Kopfhörern von Shokz sein eigenes Tempo und auf den starken sechsten Rang. Dass er 75 Minuten schneller war als vor zwei Jahren, lag aber auch an einer wetterbedingten Streckenänderungen. „Wir haben eine Schleife ausgelassen, die circa 25 Minuten gedauert hätte“, sagt Namberger, der seine Verbesserung trotz der verkürzten Strecke auf 45 Minuten schätzt. Nach einem verdiebten Urlaub plant er jetzt sein nächstes Rennen am 20. November in Südafrika. Der Ultratrail Kapstadt lockt die Szene in die fantastische Landschaft zwischen Tafelberg und Kap der Guten Hoffnung zwischen Atlantik und Indischem Ozean.

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Trauer um Hans Grodotzki

Neben all den sportlichen Höhepunkten gab es in der vergangenen Woche auch eine traurige Nachricht. Hans Grodotzki ist am Freitag, 18. September, nach kurzer, schwerer Krankheit in Potsdam im Alter von 90 Jahren verstorben. Der Langstreckenläufer schrieb bei den Olympischen Spielen 1960 in Rom deutsche Laufgeschichte: Innerhalb einer Woche gewann er Silber über 5.000 und 10.000 Meter. Bis heute gelang keinem anderen deutschen Läufer bei denselben Olympischen Spielen eine solche Ausbeute auf den beiden langen Bahndistanzen.

Über 5.000 Meter musste sich Grodotzki damals in 13:44,6 Minuten nur dem Neuseeländer Murray Halberg geschlagen geben. Eine Woche später folgte über 10.000 Meter Silber in 28:37,0 Minuten hinter Pjotr Bolotnikow. Seine Zeit blieb fünf Jahre lang deutscher Rekord. Sechs Wochen vor Olympia hatte Grodotzki als erster deutscher Läufer überhaupt die 29-Minuten-Marke über 10.000 Meter unterboten.

Ein Achillessehnenriss 1962 leitete das vorzeitige Ende seiner Karriere ein. Anschließend blieb Grodotzki der Leichtathletik unter anderem als Trainer verbunden. 1991 wurde er mit dem Rudolf-Harbig-Gedächtnispreis ausgezeichnet. Mit seinem Tod verliert der deutsche Laufsport einen Athleten, dessen zwei Silbermedaillen von Rom auch 66 Jahre später einen besonderen Platz in der deutschen Laufgeschichte einnehmen.